Dienstag, 22. Mai 2018

[Rezension] Finale - Steen Langstrup

Titel: Finale
Autor:  Steen Langstrup
Genre: Thriller, Horror
Erscheinungsdatum: 14. Mai 2018
Anzahl der Seiten: 240
Cover und Inhaltsangabe © Heyne Verlag

Ich bedanke mich herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!



"Dänemark. Dunkle Nacht, verlassene Straßen. Fast jeder sieht das Fußball-WM-Finale. Auch an einer neonerleuchteten Autobahntankstelle ist nicht viel los. Die zwei attraktiven Frauen Agnes und Belinda, die dort arbeiten, schlagen die Zeit tot. Plötzlich streicht Scheinwerferlichter durch die Dunkelheit. Zwei Männer betreten die Tankstelle. Sie sind freundlich und zuvorkommend. Aber auch irgendwie seltsam. Beängstigend seltsam. Und sie fangen mit den zwei Frauen ein Spiel an, wie es grausamer nicht sein könnte. Es beginnt eine Nacht des Entsetzens ... gnadenlos ... bis zum bitteren Finale!"




"Finale" von Steen Langstrup ist mir bereits in der Verlagsvorschau aufgefallen. Da ich stets auf der Suche nach guten, neuen Horrorbüchern bin, musste ich diesen mir unbekannten Autoren, der mit diesem Buch anscheinend viel Erfolg in seiner Heimat Dänemark gehabt hat, einfach ausprobieren.

Ich weiß an dieser Stelle nicht, ob es an der Übersetzung liegt, aber der Schreibstil ist hier furchtbar einfach, teilweise hölzern und unausgereift. Das Buch besaß für mich leider keine Atmosphäre, wirkte zu Beginn furchtbar in die Länge gezogen und zum Schluss dann leider total überstürzt. Ich konnte die Geschichte leider nicht genießen, da sie für mich weder Spannung, noch irgendwelche Überraschungen bot.




- Belinda und Agnes -

Wie in einem klassischen Splatter-Horrorfilm bleiben die Charaktere hier sehr blass. Wir haben zwei recht austauschbare junge Frauen, die, während des WM-Finales, leider die Nachtschicht in einer Tankstelle übernehmen müssen. Wir erfahren ein wenig zu ihren Persönlichkeiten, doch ansonsten bleiben sie einfach nur Figuren, für die der Leser keinerlei Mitgefühl empfinden kann. Das bedeutet leider auch, dass es kein Grund zum Mitfiebern gibt.

Agnes ist die Vernünftigere der beiden, Belinda eher das typische naive Mädel mit einem Freund, der alles andere als ein netter Kerl ist. So richtig ausstehen können sich die beiden leider auch nicht ...




"Finale" von Steen Langstrup war seit langem mal wieder ein Buch, das mich furchtbar enttäuscht und sogar etwas wütend gemacht hat. Die Handlung selbst muss ich an dieser Stelle eher als Kurzgeschichte bezeichnen, von den 240 Seiten bieten nur 194 Seiten Platz für das Geschehen, zwischendrin sind so viele leere oder halbgefüllte Seiten, dass sich das Buch sehr schnell lesen lässt und kaum Spannung bietet.

Leider passiert zu Beginn erst mal nicht viel. Wir sind mit Belinda und Agnes bei ihrer Nachtschicht in der einsamen Tankstelle. Klingt ja erst einmal gruselig, aber leider schafft es der Autor nicht, hier eine spannende Atmosphäre aufzubauen, was wohl schlicht und ergreifend an der Kürze liegt. Die Kapitel sind sehr kurz und es passiert wenig. Für mich las es sich leider wie eine recht oberflächliche und leider auch recht lieblose Geschichte.

Bis die Männer in der Tankstelle auftauchen, vergeht dann auch erst einmal ein wenig Zeit. Zeit, in der nicht sonderlich viel Aufregendes passiert. Zwischendrin gibt es dann noch ein paar Minikapitel, die schon mal andeuten, was die beiden jungen Frauen später erwartet ... Hier sollte die Geschichte wohl mit Brutalität punkten, aber auch hier fehlte mir sprachlich eine gewisse Originalität und Spannung.

Irgendwann verwandelt sich das Buch dann in einen Splatter, wie ihn Horrorfans schon dutzende, nein, hunderte Male gesehen haben. Abwechslung ist hier höchstens in der Wahl der "Mordwaffen" gegeben, obwohl ... Nein, auch das haben Horrorfans schon unzählige Male sehen dürfen. Ansonsten ist das Geschehen dann klischeebeladen und voraussehbar, das Ende ist dann fix abgearbeitet und die Überraschung ist eigentlich keine Überraschung.

Mich hat "Finale" von Steen Langstrup sehr enttäuscht und vor allem auch wütend gemacht. Nach 194 Seiten ist die Geschichte vorbei und es wird noch eine Leseprobe angehangen, um das Buch zu füllen ... Das hat mich echt sprachlos gemacht, denn so ein liebloses Ende habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Ich kann kaum glauben, dass dieses Buch in Dänemark als "Best Horror Novel of the Year" ausgezeichnet und wohl noch in diesem Jahr verfilmt werden soll. Die Geschichte bietet nichts Neues, wofür sollte man sich hier also die Filmrechte sichern? Für einen 0815-Splatter, den jeder Horrorfan so oder so ähnlich schon einmal gesehen hat?




"Finale" von Steen Langstrup hat mich enttäuscht und wütend zurückgelassen. Das Buch ist durch die Leseprobe am Ende und viele leere oder nur halbgefüllte Seiten furchtbar in die Länge gezogen und hat eigentlich nur das Volumen einer Kurzgeschichte. Der Inhalt konnte mich auch nicht überzeugen, ein Splatter, wie ich ihn schon hunderte Male gesehen haben ...

Sonntag, 20. Mai 2018

[Rezension] Meisterhafte Morde - Agatha Christie

Titel: Meisterhafte Morde: Kurzkrimis der Queen of Crime
Autor:  Agatha Christie
Genre: Krimi, Kurzgeschichten
Erscheinungsdatum: 2004
Anzahl der Seiten: 384
Cover und Inhaltsangabe © Fischer




"Diese meisterhaften Erzählungen bieten nicht nur Spitzenklasse an Spannung sondern auch unverwechselbare Atmosphäre und unvergessliche Charaktere. Ob beim spektakulären Mordprozess oder in der beschaulichen Welt einer kleinen Pension, stets lauert das Heimtückische und Ungewisse hinter dem Offensichtlichen und Harmlosen. Ohne dass einer der berühmten Meisterdetektive bemüht wird, variiert Agatha Christie das Thema Verbrechen und Täuschung in allen schillernden Farben."




Wie ihr bestimmt schon gemerkt habt, bin ich in diesem Monat total im Krimi-Fieber, was vielleicht auch daran liegt, dass ich meine Leidenschaft für alte, ganz klassische Krimis wiedergefunden habe. Agatha Christie mochte ich schon in meiner Jugend sehr gerne und mit "Meisterhafte Morde" hat sie mich wieder tiefer in das Krimi-Genre gezogen und gleichzeitig noch eine ganz andere Seite von sich präsentiert!

In "Meisterhafte Morde" sind 13 Kurzgeschichten enthalten, die abwechslungsreicher nicht sein können. Neben echten Klassikern wie "Zeugin der Anklage" und "Die Mausefalle" gibt es auch einige paranormal angehauchte Geschichten, die mich überrascht haben.

Agatha Christie schafft es, auf nur wenigen Seiten eine enorme Spannung zu erzeugen. Eine Spannung, die mich hier beim Lesen fast um den Verstand gebracht hat. Jede Geschichte ist intensiv, thematisch sehr interessant und weiß zu überraschen. Ich liebe ihren Schreibstil, ihre Art, die Charaktere so lebendig und doch undurchschaubar wirken zu lassen!




Ich stelle euch an dieser Stelle kurz alle 13 Geschichten vor!

"Zeugin der Anklage"

Zwei Anwälte bekommen Besuch von Leonard Vole, der vollkommen verzweifelt wirkt. Er wird des Mordes an Emily French bezichtigt, denn er war leider am Abend des Mordes bei ihr. Obwohl er behauptet, mit der ganzen Sache nichts zu tun zu haben, wird er verhaftet.

Im Anschluss kommt seine Frau zu den Anwälten und denkt darüber nach, ob sie ihm ein Alibi geben soll oder nicht. Dann beginnt auch schon die Gerichtsverhandlung und alles scheint sich recht geradlinig in eine Richtung zu entwickeln, alles wirkt recht einfach, doch der Leser wird hier tatsächlich bitterböse in die Irre geführt!

Ein Meisterwerk! Mehr kann ich an dieser Stelle gar nicht sagen, denn das Ende ist an Genialität tatsächlich nicht mehr zu übertreffen! Empfehlenswert ist im übrigen auch die Verfilmung mit Marlene Dietrich, die ich euch in den kommenden Tagen kurz vorstellen werde!


"Haus Nachtigal"


Hier haben wir fast schon einen Thriller. Es geht nämlich um Alix Martin, die eigentlich ein perfektes Leben führt, doch immer wieder einen Albtraum hat: Dick, ihre erste große Liebe, tötet ihren Mann. Was steckt dahinter? Und vom wem geht hier tatsächlich die Gefahr aus?

Eine echte Gänsehaut-Geschichte, wieder mit einem bitterbösen Ende! Ich liebe solche Auflösungen!


"Schwanen-Gesang"


In dieser Geschichte tauchen wir in die Welt der Oper ein. Es ist eine traurige Story über Rache und über eine allerletzte Aufführung voller Leidenschaft! "Schwanen-Gesang" ist kein echter Krimi, aber dafür eine sehr bittere Geschichte!


"Der Unfall"

Evans, ein ehemaliger Kriminalinspektor, ermittelt hier eigenständig in einem Fall, der sein Interesse geweckt hat. Es geht dabei um Mrs. Merrowdene, die beschuldigt wurde, ihren ersten Mann mit Arsen vergiftet zu haben. Sie wurde allerdings frei gesprochen und hat nun neu geheiratet ... Ist ihr neuer Mann ebenfalls in Gefahr?

Ein sehr böses Ende und wieder einmal eine bitterböse Geschichte! Die Arsen-Thematik fand ich hier sehr interessant!


"Ein gute Freund"

In diesem Fall ermittelt ein ehemaliger Strafverteidiger, nachdem er von einer Frau, in die er sich vor 9 Jahren verliebt hatte, um Hilfe gebeten wurde. Es geht um einen Mord, der jemand aus der Familie der Frau begangen haben soll.

Ein einfacher Krimi mit einer soliden Auflösung!


"Der Hund des Todes"


Jetzt wird es auch schon paranormal. "Der Hund des Todes" ist kein Krimi, sondern eine Geschichte über eine übernatürlich Kraft. Es geht um eine Ordensschwester, die angeblich ein Kloster, das von deutschen übernommen werden sollte, in die Luft gesprengt hat - mit Kraft ihrer Gedanken.

Jahre später ist sie dann das Forschungsobjekt eines skrupellosen Arztes! Ob das gut gehen kann?
Eine Geschichte, die ich so nicht erwartet hätte, denn es gibt hier natürlich keine echte Auflösung, nur eine ganz geheimnisvolle Kraft, die nicht einmal einen Namen hat!


"Der Traum vom Glück"


Hier haben wir eine sehr abenteuerliche Geschichte über einen Mann, der die besten 24-Stunden seines Lebens erlebt und dann scheinbar neugeboren zu seiner Verlobten zurückkehrt.

Manchmal muss man sich seine Träume eben erfüllen! Eine sehr spritzige, erfrischende und witzige Geschichte!


"Die letzte Sitzung"

Ich liebe ja Geschichten, in denen ein Medium eine große Rolle spielt. Hier geht es um Madame Simone, die es leid ist, mit Verstorbenen Kontakt aufzunehmen. Ihr Freund Raoul verspricht ihr, dass sie nur noch eine Sitzung geben muss - mit eine Frau, die ihr Kind verloren hat ...

Eine tolle paranormale Geschichte, die allerdings sehr böse endet!


"Die Zigeunerin"


Und es geht auch gleich übernatürlich weiter! Hier geht es um MacFarlane, dessen Freund Dickie Carpenter fürchterliche Angst vor einer Zigeunerin hat. Er hat, seit einem Vorfall in seiner Kindheit, immer wieder Albträume und ist entsetzt, als er Alistair Haworth kennenlernt, die ihm immer wieder sonderbare Hinweise gibt ...

Dies ist eine Geschichte über das Schicksal, die auf jeden Fall zum Nachdenken anregt!


"Die Uhr war Zeuge"


Hier geht es wieder mit einen klassischen Krimi weiter, in dem mir besonders der Charakter des Mr. Harley Quinn gefallen hat. Er ist kein herkömmlicher Detektiv, der sich für die Gerechtigkeit einsetzt, sondern jemand, der für die Liebenden kämpft! Das muss er auch in diesem Mordfall, in dem eine umgefallene Uhr anscheinend die Tatzeit angibt. Aber ist es wirklich so einfach!

Harley Quinn ist ein interessanter Charakter, von dem ich in Zukunft auf jeden Fall noch mehr lesen werde!

"Der vierte Mann"

Ebenfalls kein herkömmlicher Krimi. Hier treffen sich drei Männer in einem Zug, ein Arzt, ein Strafverteidiger und ein Geistlicher. Sie unterhalten sich über den Fall Felicie, die anscheinend mehrere Persönlichkeiten hatte und sich schließlich selbst erwürgt haben soll.

Ein vierter Mann, der ebenfalls im Abteil sitzt, klärt die Herren dann auf und erzählt die "wahre" Geschichte dahinter. Echt spannend und sehr böse!

"Etwas ist faul"

In Agatha Christies Geschichten ist ja oft etwas faul, so auch. Es geht um Mrs. St. Vncent, die sehr ärmlich lebt und kaum weiß, wie sie ihre zwei Kinder über die Runden bringen soll. In der Zeitung sieht sie dann eine interessante Anzeige, dass ein Haus mit "kostendeckender" Miete angeboten wird. Was steckt hinter dem Spottpreis?

Eine echt witzige Geschichte mit einer Auflösung, die mich zum Schmunzeln brachte!

"Die Mausefalle"

Zum Ende gibt es noch einmal einen gruseligen Klassiker, der viele Jahrzehnte in London als Theaterstück aufgeführt wurde und damit das Stück, das am längsten ununterbrochen aufgeführt wurde.

Ich kann es verstehen, denn diese Geschichte ist ein überaus spannender Krimi! Es geht um Molly und Giles, die völlig überstürzt ein Haus kaufen und dort eine Pension eröffnen wollen. Die ersten Gäste treffen ein, doch draußen herrscht ein erbarmungsloser Schneesturm, der alle Gäste bald von der Außenwelt abschneidet.

Kurze Zeit zuvor hat sich ein Mord ereignet und alles deutet darauf hin, dass der Mörder jetzt in der Pension ist und dort seine letzten beiden Opfer sucht. "Die Mausefalle" ist dabei ein wirklich atmosphärischer Kurzkrimi, der zum Miträtseln einlädt und absolut stimmig ist! Vom Motiv bis Wahl des Täters stimmt alles und ich bin etwas stolz, dass sich hier meine Vermutung tatsächlich bestätigt hat. Ein toller Krimi!




In diesem meisterhaften Kurzgeschichtenband sind nicht nur die Klassiker "Zeugin der Anklage" und "Die Mausefalle" echte Highlights. Es geht in einigen Geschichten sehr übernatürlich und abenteuerlich zu, es gibt viele witzige Momente und jede Menge überraschende Wendungen! Eine klare Empfehlung!

Freitag, 18. Mai 2018

[Rezension] Wie Monde so silbern (Die Luna-Chroniken, Band 1) - Marissa Meyer

Titel: Wie Monde so silbern (Die Luna-Chroniken Band 1)
Autor: Marissa Meyer
Genre: Jugendbuch, Sci-Fi
Erscheinungsdatum: 20. Dezember 2013
Anzahl der Seiten: 384
Cover und Inhaltsangabe © Carlsen



"Cinder lebt bei ihrer Stiefmutter und ihren zwei Stiefschwestern, arbeitet als Mechanikerin und versucht gegen alle Widerstände, sich nicht unterkriegen zu lassen. Als eines Tages in unauffälliger Kleidung niemand anderes als Prinz Kai an ihrem Marktstand auftaucht, wirft das unzählige Fragen auf: Warum braucht Kai ihre Hilfe? Und was hat es mit dem plötzlichen Besuch der Königin von Luna auf sich, die den Prinzen unbedingt heiraten will? Die Ereignisse überschlagen sich, bis sie während des großen Balls, auf den Cinder sich einschmuggelt, ihren Höhepunkt finden. Und diesmal wird Cinder mehr verlieren als nur ihren Schuh …"




Viel habe ich von den Luna-Chroniken bereits gehört. Es ist ja mal wieder eine Reihe, die echt gehypt wurde und die mich von Anfang an aufgrund der Märchenthematik angesprochen hat. Ich liebe ja Märchen und war hier besonders auf die Mischung mit dem Science Fiction-Genre gespannt.

Ich muss gestehen, dass ich hier eine ganz andere Geschichte erwartet hatte. Ich hatte gedacht, dass dieses Buch ein leichtes Buch für zwischendurch ist, dass es um Liebe und Gefühle geht, doch weit gefehlt. Die Geschichte handelt um Manipulation, Intrigen, um Macht, um Technik und um Politik. Die Mischung war hier leider nicht meins.

Der Schreibstil war ganz angenehm, aber die großen Emotionen haben mir hier leider gefehlt und so habe ich mich mehr oder weniger durch die Welt der Cyborgs und Androiden gequält. Einzig Cinder, eine sehr sympathische und angenehm ruhige Protagonistin, hat mich irgendwie durchhalten lassen ...




- Cinder -

Cinder ist ein Cyborg, also halb Mensch und halb Maschine. Sie ist sehr zurückhaltend, nett und freundlich und symbolisiert hier wohl, wie in einem Märchen, das Gute. Sie hat daher kaum Ecken und Kanten, bleibt immer lieb und nett und lässt sich zu Beginn etwas durch die Geschichte leiten.

Ich mochte Cinder, vielleicht auch weil sie nicht besonders anstrengend war und ich die Ruhe mochte, die sie ausstrahlte. Sie war es auch, die mich am Ball blieben ließ, denn ich mochte ihre eigene Geschichte über ihre Herkunft sehr gerne. Es wird natürlich auch thematisiert, dass Cyborgs in dieser Welt nicht besonders angesehen sind und für Experimente benutzt werden!

- Prinz Kai -

Prinz Kai blieb mir eine Spur zu blass. Ich hätte sehr gerne mehr über ihn erfahren, aber es ist halt hier wie im Märchen. Er ist einfach nur der Prinz, ganz nett und freundlich, aber ohne richtige Persönlichkeit. Das hat mich ein wenig gestört, denn so konnte ich nichts, rein gar nichts, zwischen ihm und Cinder spüren ...




Schon nach den ersten Seiten wusste ich, dass "Wie Monde so silbern" so ganz anders zu werden scheint, als ich es erwartet hatte. Hier lernen wir erst einmal Cinder kennen, die als Mechanikerin arbeitet und selbst ein Cyborg ist. Sie trifft auch gleich auf den Prinzen, der ihr eine Androidin zur Reparatur bringt. Schnell wird klar, dass Cinder nicht möchte, dass sie Leute sie als Cyborg sehen, viel lieber wäre sie ein vollwertiger Mensch ...

Die Grundidee fand ich hier überaus originell und ich dachte echt, es ist mal wieder ein Buch, das mich komplett vom Hocker reißt und mich sogar in ein neues Genre einführt. Leider überwogen irgendwann dann doch die Sci-Fi-Anteile und ich musste mich etwas durchquälen.

"Wie Monde so silbern" orientiert sich nur am Grundgerüst des Märchens "Aschenputtel". Auf der einen Seite fand ich das sehr passend, auf der anderen Seite hat mir ein wenig das märchenhafte gefehlt. Positiv empfand ich die Tatsache, dass mit vielen Handlungen des Originalmärchens gebrochen wurde. So ist beispielsweise eine der Stiefschwestern ein wirklich liebenswerter Charakter.

Andererseits habe ich mir hier wohl eine intensivere Liebesgeschichte gewünscht. Zwischen Cinder und dem Prinzen sollte es wohl knistern, aber bei mir kam nichts an.

Leider ist die Geschichte rund um die Herkunft unserer Cinder dann doch sehr vorhersehbar. Ich wusste schnell, was denn nun ihr großes Geheimnis war und deswegen konnte mich die Geschichte irgendwann nicht mehr so richtig fesseln. Ich musste mich teilweise sogar etwas zwingen, weiterzulesen, da besonders im Mittelteil wenig Handlung vorhanden ist. Streckenweise geht es nur um Cinder, die ihre Vergangenheit entschlüsseln muss und um die politische Situation zwischen dem Mond und der Erde.

Das Ende fand ich dann allerdings ganz spannend, auch wenn es recht offen gehalten ist. Es animiert mich allerdings leider nicht, die restliche Reihe zu lesen, dafür ist mein Interesse an dem Sci-Fi-Genre dann wohl doch nicht ausreichend geweckt worden ...




"Wie Monde so silbern" geht über eine simple Märchenadaption hinaus und besitzt eine überaus originelle Grundidee. Allerdings wollte mich die Geschichte dann nicht so recht fesseln, was

vielleicht daran lag, dass ich mit Sci-Fi nicht viel anfangen kann und mich die politischen Situationen zwischen den Planten nicht direkt interessiert hat. Schade, denn die Idee ist wirklich toll ...

Mittwoch, 16. Mai 2018

[Rezension] Lockwood & Co. - Der Wispernde Schädel - Jonathan Stroud

Titel: Lockwood & Co. - Der Wispernde Schädel (Band 2)
Autor: Jonathan Stroud
Genre: Jugendbuch, Fantasy
Erscheinungsdatum: 27. Oktober 2014
Anzahl der Seiten: 512
Cover und Inhaltsangabe © cbj



"Dank des spektakulären Erfolgs im Fall der seufzenden Wendeltreppe ist Lockwood & Co. nun eine der angesagtesten Geisteragenturen Londons. Doch inzwischen wird die Metropole bereits von einer Reihe neuer grausiger Ereignisse erschüttert: In einer beispiellosen Diebstahlserie werden mächtige magische Artefakte entwendet und deren Hüter grausam ermordet. Als dann auch noch auf einem Friedhof ein schauerlich eiserner Sarg geborgen wird, dessen Inhalt unter mysteriösen Umständen verschwindet, steht fest: Ein klarer Fall für Lockwood & Co.! Nur wenn das Team um Anthony Lockwood, Lucy und George ihre ganze Genialität im Umgang mit übernatürlichen Ereignissen in die Wagschale wirft, kann es ihnen gelingen, die Verschwörung, die hinter all dem steckt, aufzudecken."




Direkt nach dem ersten Teil habe ich meine Nase auch schon in den zweiten Teil gesteckt, einfach weil ich die Chaostruppe rund um "Lockwood & Co." direkt in mein Herz geschlossen habe und sofort wissen wollte, welche Abenteuer sie noch bestreiten werden!

Spannend geht es auch in diesem Teil weiter. Ich mag den Sarkasmus der drei Ermittler, der zwar in diesem Teil etwas abgeschwächt scheint, aber dennoch vorhanden ist. Ich konnte einige Male lachen und es war toll, Lucy, Anthony und George noch näher kennenlernen zu dürfen!




- Lucy -

Ich mag Lucy, aus deren Sicht das Geschehen auch in diesem Teil erzählt wird, sehr gerne. Sie bewahrt stets einen kühnen Kopf, passt aber dennoch durch ihre Schusseligkeit perfekt ins Team. Ich mochte es sehr, dass die drei Agenten hier noch enger zusammengewachsen sind, ja, das nach den Abenteuern aus dem ersten Teil sie sogar schon zu echten Freunden wurden.

- Anthony -

Nach wie vor etwas distanziert und geheimnisvoll wirkt Anthony, bei dem sich immer noch die Frage nach seiner Vergangenheit stellt. (In diesem Band gibt es erst am Ende eine Andeutung, beziehungsweise einen echt gemeinen Cliffhanger!)

Ich empfand Anthony nach wie vor als charmant und ungemein schlagfertig. Gerne hätte ich aber über ihn endlich mehr erfahren. Hinter seinem "professionellen" auftreten steckt auf jeden Fall mehr!

- George -

George mochte ich nach wie vor. Er ist so angenehm schusselig und verpeilt, versteht manchmal nicht, was um ihn herum vorgeht, hat aber dennoch sein Herz am rechten Fleck. Besonders das Ende hier war mal wieder typisch George und hat mich echt zum Lachen gebracht!





Spannend geht es auch im zweiten Teil weiter. Der Einstieg ist dabei wieder mehr als gelungen, denn wir dürfen wieder bei einem Fall dabei sein, der mal wieder nicht ganz so wie geplant endet. Auch der Konkurrenzkampf zu dem Team rund um Quill Kipps steht hier jetzt im Fokus des ganzen, denn Lockwood geht hier eine Wette ein, die er natürlich unbedingt gewinnen will.

Abwechslungsreich geht es auch in dem zweiten Teil weiter. Nicht nur der verschwundene Knochenspiegel, ein sehr mächtiges Artefakt, steht im Zentrum des ganzen Geschehens, sondern auch der Schädel, der ja am Ende des ersten Bandes mit Lucy gesprochen hat. Ich muss sagen, dass ich den Schädel fast spannender als die eigentliche Haupthandlung fand, denn diese erstreckt sich über viele Seiten doch fast nur auf Ermittlungsarbeit.

Während der erste Teil noch leicht gruselig war und mich besonders durch das Finale im Herrenhaus überzeugen konnte, geht es hier ruhiger zu. Stellenweise rückt die Geisterthematik etwas in den Hintergrund und die Geschichte ließt sich eher wie ein Krimi. Das ist auch mein einziger Kritikpunkt an dieser Stelle, denn ich muss sagen, dass mir die Ermittlungsarbeit nicht ganz so fesselnd vorkam.

Ansonsten konnte mich das Team aber wieder überzeugen. Die Geschichte von Bickerstaff und dem Knochenspiegel fand ich originell, die Gespräche mit dem "wispernden Schädel" und der Konkurrenzkampf zum anderen Team haben für die nötige Abwechslung gesorgt. Auch die Charakterentwicklungen fand ich faszinierend und so kann ich nur sagen, dass ich Lucy, Anthony und auch George längst in mein Herz geschlossen habe!

Das Ende fand ich ebenfalls passend, nur hat mir hier eine gewisse unheimliche Atmosphäre gefehlt. Insgesamt war es in diesem Teil mehr Krimi als Geistergeschichte, von daher muss ich sagen, dass  ich diesen Teil etwas schwächer als den ersten fand. Dennoch komme ich aber nicht drumherum, jetzt auch gleich den nächsten Band zu lesen ...




Das charmante und witzige Chaosteam "Lockwood & Co." stellt sich hier einem sehr kniffligen Fall rund um ein verschwundenes und sehr mächtiges Artefakt. Mich konnte die Geschichte wieder einmal begeistern, auch wenn die Krimihandlung hier im Vordergrund stand und ich mir ein paar mehr Gruselmomente gewünscht hätte!


Montag, 14. Mai 2018

[Rezension] Schuld - Karin Alvtegen

Titel: Schuld
Autor:  Karin Alvtegen
Genre: Krimi, Roman, Thriller
Erscheinungsdatum: 1. Juni 2001
Anzahl der Seiten: 256
Cover und Inhaltsangabe © Rowohlt



"Ein abgetrennter Zeh ist das makabre Geschenk einer Stalkerin für ihr Opfer. Peter Brolin, der ahnungslose Kurier, macht sich auf die Suche nach ihr und ahnt nicht, auf welch gefährliche Pfade er sich begibt …"




Nachdem ich im vergangenen Monat Karin Alvtegens Bücher für mich entdeckt habe und besonders ihren Schreibstil faszinierend finde, stand auch im Mai ein Werk von ihr auf dem Plan. Leider muss ich sagen, dass diese Geschichte nicht mit dem Niveau von "Die Flüchtige" oder "Der Seitensprung" vergleichbar ist. Beide Bücher fand ich mega, Alvtegens Stil hat mir hier eine echte Gänsehaut bereitet ...

"Schuld" ist leider eher ein lahmer Versuch, auf den "Thriller-Zug" aufzuspringen, der damals, im Jahre 2001, ja schon kräftig Fahrt aufgenommen hat. Leider ist die Geschichte nicht stimmig, der so kritische und unter die Haut gehende Stil von Katrin Alvtegen, den ich in ihren anderen zwei Büchern lieben gelernt habe, ist hier leider nur noch zu erahnen. Und die Übersetzung hat leider für ein sehr holpriges Leseerlebnis gesorgt ...




- Peter Brolin -

Im Zentrum der Geschichte steht Peter Brolin, der mit seiner Firma gerade vor dem Ruin steht. Auch privat läuft es nicht so gut für ihn, viele Jahre hat er überhaupt nicht gemerkt, wie einsam und abgekapselt er gelebt hat.

Peter war für mich eigentlich ein recht angenehmer Protagonist. Er ist etwas zerbrochen, etwas eigen und Gefangen in einem Alltag, der ihn längst überrollt hat. Das Leben scheint zu schnell für ihn zu sein und rauscht an ihm vorbei ... Alles soll sich allerdings ändern, als er einer fremden Frau in einem Café begegnet ...

- Olof Lundberg -

Olof Lundbergs Rolle in der ganzen Geschichte war für mich auch nach dem Lesen nicht wirklich schlüssig. Er wird hier zu Beginn von einer Frau gestalkt, bekommt Briefe und Pakete von ihr und lebt in Angst und Schrecken. Diese geheimnisvolle Fremde gibt sich nämlich als seine Frau aus, obwohl Olof längst Witwer ist ...

Tja, wie passt Olof nun in die ganze Handlung rein? Er sucht Hilfe bei Peter, der ihm ein Paket der Stalkerin bringt und schlagartig sind die beiden die besten Freunde. Ja, richtig gehört? Olof, der sehr reich ist, sucht sich Hilfe bei einem Typen, der einfach mal so in die Sache hineinrutscht. Er hätte ja auch kein Geld für einen echten Privatdetektiven ...

Ich hatte das Gefühl, dass Karin Alvtegen hier keinen großen Wert auf ihre Charaktere gelegt hat. Alle wirken so lieb- und leblos, besonders Olof, der einfach einen Fremden in sein Privatleben lässt ... Ich konnte hier viele Handlungen leider nicht nachvollziehen!




Logik ist mir in Büchern noch nie besonders wichtig gewesen. Mir geht es in erster Linie um gute Unterhaltung, um Spannung und Tiefgang. Allerdings möchte ich bei einem guten Buch die Handlungen der einzelnen Charaktere wenigstens nachvollziehen können - in "Schuld" von Karin Alvtegen fiel mir das leider furchtbar schwer ...

Leider fing das schon beim Ausgangsplot an ... Wir haben hier Peter, der in einem Café sitzt und über sein verkorkstes Leben nachdenkt. Urplötzlich kommt eine wildfremde Frau daher, übergibt ihn ein Paket und verlangt, dass er es zu ihrem Mann bringt. Sie gibt ihm dafür sogar 1000 Kronen, also tut Peter, was sie von ihm verlangt.

Bei Olof Lundberg angekommen stellt sich allerdings heraus, dass dieser seine Frau schon vor einigen Jahren verloren hat und nun regelrecht gestalkt wird. In dem Paket, das Peter ihm überreicht, ist schließlich ein abgeschnittener Zeh. Hört sich erst einmal wie ein netter Thriller an? Ja, aber leider wird die Geschichte dann sehr wirr und strange ...

Olof Lundberg ist reich, dennoch beauftragt er dann wie aus dem Nichts unseren Protagonisten Peter, die Frau aufzuspüren - dafür würde er dann seine Schulden tilgen. Ja klar, Olof hat auch kein Geld für einen echten Privatdetektiven.

Viel zu schnell entwickelt sich dann eine Freundschaft zwischen Peter und Olof, die sich für mich leider überhaupt nicht echt angefühlt hat. Im Verlaufe des Romans geht es dann natürlich darum, die Frau zu finden und dafür zu sorgen, dass sie endlich aufhört, Olof zu belästigen. Tja, und da wird die Geschichte dann sehr wirr und ich konnte so einige Dinge nicht nachvollziehen ...

Erst einmal stellt sich natürlich die Frage, warum sie anfangs mit dem Zeh nicht zur Polizei gehen ... Okay, da konnte ich noch ein Auge zudrücken, doch der Weg, wie Peter dann die Frau aufspürt, ist schlicht und ergreifend zu konstruiert. Genau wie das Ende ...

Für mich was Ende die größte Schwachstelle. Hier hätte die Autorin mit einer logischen Erklärung dann doch noch einmal das Ruder rumreißen können, stattdessen verwirrt sie den Leser noch mehr. Warum besagte Täterin es auf Olof abgesehen hatte, bleibt erst einmal verborgen, genau wie ihre restlichen Beweggründe, die leider überhaupt nicht nachvollziehbar sind. Leider gab es für mich auch einige Logikfehler, die sich auch am Ende nicht geschlossen haben. Es hat sich so angefühlt, als hätte die Autorin den Bezug zu ihrer Geschichte irgendwann selbst verloren und versucht, zum Schluss noch alles irgendwie hinzubiegen. Das ist ihr leider nicht geglückt ...




Nach zwei megastarken und sehr tiefgründigen Büchern von Karin Alvtegen muss ich leider sagen, dass "Schuld" nicht an das Niveau von "Die Flüchtige" oder "Der Seitensprung" heranreicht. Das Ende ist leider sehr schlecht zusammengeschustert, einige Erklärungen fehlen und viele Handlungen unserer Charaktere sind einfach nicht nachvollziehbar. Schade!

Samstag, 12. Mai 2018

[Serientipp] Slasher - Season 2 - Guilty Party

Hallo ihr Bücherverrückten,

Da ich neben dem Leser auch sehr gerne Serien und Filme schaue, wollte ich euch heute mal eine Empfehlung zu einer eher unbekannteren Serie aussprechen.

Die Rede ist von der zweiten Staffel von "Slasher". Die erste Staffel habe ich bereits im vergangenen Jahr gesehen und mochte sie, als Slasher-Fan, sehr gerne. Alle gängigen Klischees werden hier natürlich bedient, aber das macht für mich wirklich den Reiz aus. Mein Geschmack ist eh etwas sonderbar, kein Wunder, dass ich seit meiner Jugend bereits großer Fan des Slasher-Genres war und noch immer diese ganz klischeebeladenen Filme liebe ...

Während es in der ersten Staffel von "Slasher" um eine junge Frau geht, die ihre Vergangenheit bezüglich des Todes ihrer Eltern aufarbeiten muss, geht es in der zweiten Staffel um eine Gruppe Jugendlicher, die in einem Feriencamp einen Mord begangen haben und viele Jahre später ihre Spuren verwischen wollen. Dazu reisen sie im tiefsten Winter zum ehemaligen Camp, wo jetzt eine Art Hippie-Kommune lebt.

Natürlich gibt es hier auch wieder einen Serienmörder, der hier nach und nach die Leute killt und bis um Schluss ist recht unklar, wer nun dahinter steckt. Auch wenn die Serie voller Klischees steckt, weiß sie doch zu überraschen. So steht in jeder Folge eine andere Person im Fokus und es werden so einige Geheimnisse und Zusammenhänge erläutert. Bis zum Schluss bleibt auch unklar, was damals im Camp wirklich passiert ist ...

Insgesamt acht Folgen weißt diese Staffel auf, die eine eigene Geschichte erzählt und daher auch unabhängig zur ersten Season geschaut werden kann. Besonders überraschend fand ich das Ende, das natürlich jeden Horrorfilmfan an eine andere tolle Filmreihe erinnert. Obwohl ich ja echter Thrillerfan bin, konnte mich die Serie doch noch überraschen, auch wenn die letztendliche Auflösung nicht allzu neu ist. Mich hat die vorletzte Folge hier nämlich echt aufs Glatteis geführt!

So, alle Slasher-Fans sollten echt mal reinschauen. Meiner Meinung nach gibt es echt viel zu wenig Horrorserien und gute Horrorfilme ... Falls ihr daran interessiert seid, kann ich noch andere Filme und/oder Serien, die in diese Richtung gehen, vorstellen.

Zum Abschluss würde mich eins interessieren: Gibt es hier auch Slasher-Fans? Oder welches ist euer Liblingsgenre im Bereich der Horrorfilme?

Freitag, 11. Mai 2018

[Rezension] Mittsommermord - Henning Mankell

Titel: Mittsommermord
Autor:  Henning Mankell
Genre: Krimi
Erscheinungsdatum: 26. April 2002
Anzahl der Seiten: 608
Cover und Inhaltsangabe © dtv



"Es sollte ein harmloses Rollenspiel werden, am 21. Juni 1996, ein kleines Verkleidungsritual in der mythenumrankten Mittsommernacht. Doch Wanderer schaudern, als sie Wochen später in einem Naturschutzgebiet auf die drei Jugendlichen stoßen, deren leblose Körper noch mit Miedern, Hemdkrausen und Perücken herausgeputzt sind. Bald ist es grausige Gewißheit: Sie wurden Opfer eines Verbrechens.

Fast zur gleichen Zeit wird Kommissar Wallanders geschätzter Kollege Svedberg mit zerschossenem Gesicht in seiner Wohnung aufgefunden. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Fällen? Kurt Wallander stürzt sich verzweifelt in die Ermittlungen. Dabei stellt er zu seinem Entsetzen fest, wie wenig er über seinen Kollegen weiß, mit dem er jahrelang zusammengearbeitet hat ..."




Von Wallander habe ich natürlich schon sehr viel gehört, aber die Krimis selbst habe ich noch nie gelesen, was wohl daran liegt, dass ich mich mit Polizeiarbeit in Büchern immer sehr schwer tue. Dennoch habe ich mir schon länger vorgenommen, wenigstens ein Buch von Henning Mankell zu lesen - und wie der Zufall es so wollte, habe ich dieses Buch, das sich für mich auch am Ansprechendsten angehört hat, im Bücherschrank gefunden.

Die leichte melancholische, kühle Sprache des Autoren habe ich erwatet. Das Buch war ja nicht mein erster Schwedenroman. Ich mag das sehr gerne, auch wenn diese Distanziertheit für mich auf Dauer nichts wäre. Bei Büchern, ganz besonders bei Thrillern und Krimis, brauche ich immer jemanden, mit dem ich mitfiebern kann, sei es nun der Täter oder die Opfer. In "Mittsommermord" blieben hier aber leider alle Personen Unbekannte, bis auf unseren Kommissar Wallander.




- Kurt Wallander -

Ich muss hier gleich zu Beginn gestehen, dass Kurt Wallander und ich wohl keine Freunde werden. Dennoch empfand ich ihn hier aber als interessante Person, auch wenn ich es wie gesagt nicht mag, wenn das Leben der Ermittler so breitgetreten werden.

In diesem Buch findet er heraus, dass er an Diabetes leidet. Doch statt sich anderen Leuten anzuvertrauen, schweigt er und stürzt sich Hals über Kopf in seinen nächsten Fall, bei dem es um einen getöteten Kollegen geht.

Wallander erschien mir sehr einsam. Er denkt viel nach, zieht sich gerne zurück und kann auch mal ausfallend werden. Schade war für mich nur, dass seine Geschichte komplett im Fokus steht. Wir nehmen zwar an den Ermittlungen teil, erfahren einiges zum Fall, aber dennoch war Kurt Wallander hier die Hautperson, wodurch die Morde etwas in den Hintergrund rückten. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass mir das nicht so gut gefallen hat ...




"Mittsommermord" von Henning Mankell beginnt gleich mit der Ermordung von drei Jugendlichen, die an Mittsommer ein Rollenspiel veranstalten wollten. Kurz und schmerzlos erschießt der Täter die jungen Leute und verschleiert das Verbrechen.

Die Polizei beginnt in diesem Fall erst zu ermitteln, als ein Kollege von Wallander ebenfalls erschossen wird. Svedberg hat sich vor seinem Tod auf eigene Faust mit den vermissten Jugendlichen beschäftigt. War er dem Täter zu nahe gekommen? Oder ist er selbst in die ganze Sache verwickelt?

Wallander findet schnell heraus, dass niemand Svedberg so richtig kannte. Nun muss unser Kommissar also in das Leben seines geschätzten Kollegen eintauchen und eine Verbindung zu den ermordeten Jugendlichen ziehen, bevor der Täter seine Mordserie fortsetzen kann ...

Die Krimihandlung selbst ist sehr in die Länge gezogen, da Wallander und seine eigenen Probleme doch sehr im Fokus stehen. Realistisch ist dieses Buch aber auf jeden Fall, leider aber auch so realistisch, dass auch die Polizeiarbeit sehr akribisch geschildert wird, wodurch für mich etwas die Spannung verloren ging.

Ich bin auch eher der Fan von Geschichten, in denen ich einen Bezug zu Opfer und/oder Täter habe, hier blieb der Fall mit den beteiligten Personen leider sehr blass. Wir kennen weder die Opfer so recht, noch den Täter. Diese Distanziertheit war leider überhaupt nicht meins, da es einen großen Teil der Spannung genommen hat.

Henning Mankell und seine Krimis sind wohl in erster Linie Geschmackssache. Leser, die gerne einen Ermittler folgen, in sein Leben eintauchen möchten und mit ihm ganz nebenbei ein paar Fälle lösen, die werden hier wohl großen Spaß haben, doch Leser, die eher den Fall im Mittelpunkt der Handlung haben wollen, könnten hier enttäuscht werden!

Ein wenig enttäuscht war ich von der Geschichte demnach schon, auch wenn sich das Buch sehr einfach und auch recht schnell gelesen hat. Allerdings fehlte mir hier das Fesselnde, denn leider gab es für mich keine Person, mit der ich hier wirklich mitfiebern konnte. Die Morde selbst werden schnell abgearbeitet, die Ermittlungen waren für mich sehr trocken und die Tätersuche war zwar interessant, aber auch etwas in die Länge gezogen. Die letztendliche Auflösung konnte mich dann auch nicht mehr rundum zufriedenstellen ...



Mein allererstes Buch von Henning Mankell hat mir dann wohl mal wieder gezeigt, dass solche "Ermittler-Krimis" nichts für mich sind. Obwohl sich das Buch angenehm gelesen hat, fehlte mir das Fesselnde. Kurt Wallander stand mir zu sehr im Fokus, der Fall selbst war nur Rahmenhandlung. Leider kein Krimi nach meinem Geschmack, für mich daher eher eine Durchschnittskost ...