Dienstag, 31. Oktober 2017

[Rezension] Hex - Thomas Olde Heuvelt

Titel: Hex
Autor:  Thomas Olde Heuvelt
Genre: Roman, Horror
Erscheinungsdatum: 16. Oktober 2017
Anzahl der Seiten: 432
Cover und Inhaltsangabe © Heyne



"Black Spring ist ein beschauliches Städtchen im idyllischen Hudson Valley. Hier gibt es Wälder, hier gibt es Natur - und hier gibt es Katherine, eine dreihundert Jahre alte Hexe, die den Bewohnern von Black Spring gelegentlich einen kleinen Schrecken einjagt. Dass niemand je von Katherine erfahren darf, das ist dem Stadtrat von Black Spring schon lange klar, deshalb gelten hier strenge Regeln: kein Internet, kein Besuch von außerhalb oder Katherines Fluch wird sie alle treffen. Als die Teenager des Ortes jedoch eines Tages genug von den ständigen Einschränkungen haben und ein Video der Hexe posten, bricht in Black Spring im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle los ..."




"Hex" war mal wieder so ein Buch, das mich vom Klappentext her sofort angesprochen hat und das mal wieder eine echt originelle Story versprach, die perfekt zu Halloween passt. Die ersten Seiten habe ich dabei förmlich inhaliert und war verblüfft, wie Thomas Olde Heuvelt es doch schafft, den Horror hier auf eine sehr subtile Art zu vermitteln und mit einem angenehmen, aber leicht bedrohlichen Humor zu vermischen.

Aus der Sicht verschiedener Personen nehmen wir in "Hex" an einem Kleinstadt/Dorf-Leben der besonderen Art teil und wir schwanken dabei ständig zwischen Belustigung und einer Furcht, die wir uns nicht eingestehen wollen, die aber dennoch stets greifbar ist.

Die Geschichte besitzt einen gewissen Humor, denn die Hexe gehört im Dorf bereits zum Alltag und es ist teilweise sehr witzig zu sehen, wie der Umgang mit ihr ist. Dennoch bleibt immer eine Ungewissheit, besonders, als immer mehr ungewöhnliche Dinge geschehen.

Eine kleine Kritik muss ich an dieser Stelle allerdings äußern: Das Buch liest sich teilweise furchtbar stockend. Ich weiß nicht, ob es nun an der Übersetzung lag oder am Autoren selbst, aber es gab leider viele Abschnitte, die ich trotz ungemeinen Sog, ein paar Mal lesen musste, um sie überhaupt zu verstehen.

Im Nachwort habe ich gelesen, dass Thomas Olde Heuvelt, der in seiner Heimat der Niederlande großen Erfolgt mit dem Buch hatte, vieles für den internationalen Markt umgeschrieben hat. Alles ist jetzt typisch amerikanisch gehalten und auch das Ende soll sich wohl von der Originalversion unterscheiden. Schade, dass ich kein niederländisch kann, denn es wäre interessant zu wissen, ob der Stil des Autoren streckenweise im Original ebenso wirr ist.




- Steve und seine Familie -

In "Hex" werden verschiedene Dorfbewohner näher betrachtet. So haben wir zum Beispiel Steve, einen liebenden Familienvater, der noch vor der Geburt seiner Söhne nach Black Spring gezogen ist. Er hat sich, genau wie der Rest seiner Familie, mit der Hexe arrangiert.

Steve war für mich der wohl stärkste Charaktere in diesem Buch, denn er hat sich bis zu einem gewissen Punkt stets gegen die Ungerechtigkeiten ausgesprochen, war damit aber ein einfacher Kämpfer.

- Tyler -

Tyler ist Steves ältester Sohn und ihn mochte ich sehr. Er liebt seine Familie über alles, aber er fühlt sich in Black Springs gefangen. Er wird nie ein normales Leben führen können, weil er den Ort nie verlassen darf.

Tyler, der ein großer Fan von Youtube ist, beginnt hier mit seinen Freunden ein Experiment, das leider außer Kontrolle gerät. Ich muss sagen, dass ich mit Tyler in "Hex" am meisten mitfühlen konnte. Sein Schicksal ist tragisch, ich kann verstehen, dass er aus dieser "Gefangenschaft" ausbrechen wollte ...




Zu Beginn der Geschichte rund um die Hexe von Black Spring lernen wir erst einmal den Alltag der Dorfbewohner kennen, die sich mit Katherine längst abgefunden haben. Es gibt eine Gruppe von Sicherheitsleuten, HEX genannt, die die Hexe und ihre Aktivitäten unter Kontrolle behalten. Eine App sorgt dafür, dass jeder stets über den momentanen Aufenthaltsort der Hexe informiert ist und informieren kann und die Bewohner sind gut aufeinander eingespielt, um Fremde fernzuhalten. Erstaunlich fand ich hier, wie normal der Umgang mit der, zugegebenermaßen, sehr gruseligen Gestalt, abläuft. Selbst die Kinder fürchten sich nicht vor der Hexe, sondern ignorieren sie einfach. (Ein einfacher Spüllappen bedeckt dabei auch den scheußlichen Anblick!)

Katherine van Wylers Geschichte ist grausam, genau wie ihr Aussehen nach vielen hundert Jahren: Augen und Mund sind zugenäht und um den Körper trägt sie schwere Ketten. Dennoch dringt immer wieder ein Flüstern aus ihrem Mund, ein Flüstern, das die Dorfbewohner bei genauerem Hinhören zwingen würde, Selbstmord zu begehen.

Die ganze Story rund um die Hexe ist sehr originell und als großer "The Blair Witch Project" fand ich auch die ganzen kleinen, verstecken Andeutungen genial. Interessant an "Hex" ist hierbei, dass die Hexe zu Beginn erst einmal vollkommen normal wirkt, sie gehört einfach zum Dorf und tut niemanden etwas, solange sie in Ruhe gelassen wird. Trotzdem passieren kleine Dinge, die mir einen Schauer über den Rücken haben laufen lassen.

Immer wenn Kathrine van Wyler erschien, hatte ich Herzrasen, auch wenn sie einfach nur irgendwo herumstand. Die Gefahr ist stets spürbar und das macht diesen Roman aus. Er besitzt keine großen Schockmomente, sondern eine stetige Ungewissheit, die für eine echte Gruselstimmung sorgt.

Mein einziger Kritikpunkt ist an dieser Stelle tatsächlich der Schreibstil. Ich habe für das Buch recht lange gebraucht, da ich einige Abschnitte mehrmals lesen musste, um sie zu verstehen. An vielen Punkten überschlägt sich die Handlung und leider ist die Geschichte dort sehr holprig verfasst, sodass oft nicht klar ist, was genau denn alles passiert. (Das beste Beispiel: Als Griselda der Hexe eine Tüte anbindet, es ist furchtbar kompliziert geschrieben für eine simple Sache!)

Der Schreibstil hat die Geschichte, die eigentlich ein Highlight hätte sein können, für mich etwas getrübt. Ich kann an dieser Stelle aber nicht beurteilen, ob es an der Übersetzung oder am Original lag. Das Ende fand ich, auch wenn hier wieder alles sehr hektisch abläuft, auf jeden Fall super spannend und auch die Aussage hinter der ganzen Geschichte ist grausam, schockierend und traurig.




"Hex" ist ein toller Gruselroman mit einer originellen Grundidee. Wer subtilen Horror mag und über einen etwas holprigeren Schreibstil hinwegsehen kann, wird einige unheimliche Lesestunden mit dem Buch haben!




Kommentare:

  1. Huhu!

    Ohhh, ein holpriger Schreibstil? Das hab ich gar nicht so empfunden *lach* Vielleicht war ich einfach etwas mehr versunken als du und hab das gar nicht mitbekommen ^^ Ich war ja auch total begeistert von der Geschichte, denn die Idee war ja wirklich klasse!

    Liebste Grüße und Happy Halloween!
    Aleshanee

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    1. Hi Aleshanee :D

      Haha, den Schreibstil habe ich zum Glück auch irgendwann ausblenden können, es hatte sich für mich aber nicht so flüssig wie andere Bücher gelesen. Du hast aber recht, die Story hat es echt in sich und deswegen war es auch für mich das perfekte Halloween-Buch! :D

      Liebe Grüße
      Jessi

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  2. Hallo Jessi,

    vielen Dank für diese Rezension :) Das Buch taucht ja momentan überall auf und es gibt viele relativ gute Meinungen darüber. Ich glaube, es muss unbedingt auf meine Wunschliste ♥

    Liebe Grüße
    Charleen

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    1. Hi Charleen :D

      Ja, das Buch passt einfach so perfekt zu Halloween! :D Ich kann es auf jeden Fall empfehlen, eine echt krasse und gruselige Story!

      Liebe Grüße
      Jessi

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  3. Hallo Jessi,
    danke für die Vorstellung, das Buch wandert gleich auf die Wunschliste.
    Du hast mir richtig Lust drauf gemacht, auch mit holprigen Schreibstil. :)
    Liebe Grüße
    Ela

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  4. Hallo Jessi,

    ich bin von dem Buch absolut begeistert. Wie du schon schreibst, dieser locker-leichte Ton, der auf subtile Art Gänsehaut beschert. Sehr fein geschrieben! Die ‚stockenden‘ Stellen sind mir gar nicht aufgefallen und mir hat der Schreibstil sehr gut gefallen.

    Oh ja, und dieses Herzrasen! Ich habe mich auch immer total vor Katherine gefürchtet, wenn sie irgendwo aufgetaucht ist. Man weiß ja nicht, was ihr einfallen könnte.

    Für mich war’s ein absolutes Highlight!

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Hi Nicole :D

      Toll, dass es dir auch so gut gefallen hat, dieses subtile gefällt uns beiden ja in Büchern echt gut, schade, dass es so wenig Bücher gibt, die auf diese Weise mit den Ängsten spielen!

      Katherine war wirklich extrem gruselig! Ich hatte immer das Gefühl, dass jeden Moment etwas passieren könnte! :D

      Liebe Grüße
      Jessi

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    2. Ja, das Subtile, dafür sind wir recht empfänglich. Und es stimmt, es gibt viel zu selten gute Bücher in dem Bereich.

      Ich bin gebannt an den Seiten gehängt und habe mich gefragt, was Katherine wohl machen wird ... Genial!

      Liebe Grüße,
      Nicole

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