Donnerstag, 25. Mai 2017

[Rezension] Tödlicher Nebenjob - Heidi Oehlmann

Titel: Tödlicher Nebenjob
Autor:  Heidi Oehlmann
Genre: Roman, Thriller, Drama
Erscheinungsdatum: 17. Mai 2017
Anzahl der Seiten: 227
Cover und Inhaltsangabe © Heidi Oehlmann



Amelie ist verzweifelt, als ein Gerichtsvollzieher ihre Wohnung nach Wertgegenständen durchsucht und von ihr verlangt, die Schulden ihres Exfreundes zurückzuzahlen. Da sie als Verkäuferin nicht genug verdient, nimmt sie kurzerhand den Vorschlag ihrer Freundin Rike an und steigt in ein lukratives Dienstleistungsgeschäft ein. Zunächst scheinen sich ihre finanziellen Sorgen in Luft aufzulösen. Als dann aber nach und nach ihre Kunden ermordet werden, zweifelt Amelie an ihrem Nebenjob. Sie glaubt, selbst etwas mit den Morden zu tun zu haben. Kann sie wirklich die Täterin sein? Warum kann sie sich an nichts erinnern? Oder steckt vielleicht doch jemand anderes dahinter?




Wieder einmal durfte ich ein Buch einer von mir sehr geschätzten Autorin lesen. Heidi Oehlmanns Geschichten haben mich bereits in der Vergangenheit begeistern können, angefangen hatte ich mit der "Blind Dates und andere Katastrophen"-Reihe, die mich durch die lockere und leichte Art perfekt unterhalten konnte. Im Anschluss habe ich "Plötzlich ist alles anders - Das unbekannte Ich" von ihr gelesen, eine sehr traurige und persönliche Geschichte, die mich noch mehr mit Heidi Oehlmann und ihren Büchern verbunden hat, denn hier schreibt die Autorin ihre eigene Lebensstory nieder.

Mit "Tödlicher Nebenjob" hat Heidi Oehlmann einen echten Genre-Mix hingelegt. Als Leser wusste ich lange Zeit nicht, ob ich hier nun einen Roman, einen Thriller oder aber ein Drama mit psychologischen Elementen lese. Dieser Mix hat mir ausgesprochen gut gefallen, denn dadurch wusste ich zu keinem Zeitpunkt, was als nächstes passierte. Auch der Stil der Autorin hat mich wieder einmal begeistern können, tolle Dialoge, viel Handlung, einige Wendungen und eine Auflösung, die mich als eingefleischter Thrillerfan tatsächlich noch überraschen konnte.




- Amelie -

Wie der Klappentext es bereits vermuten lässt, verfolgen wir hier Amelie, die sich vor einem finanziellen Trümmerhaufen wiederfindet. Sie soll die Schulden für ihren Ex-Freund, der sich einfach aus dem Staub gemacht hat, begleichen, doch da sie nur eine "einfache" Verkäuferin in einem Supermarkt ist, ist ihr dies natürlich nicht möglich. Der Gerichtsvollzieher macht Druck und sie gerät an einem "Nebenjob", der zwar lukrativ ist, allerdings auch einige Probleme mit sich bringt.

Amelie selbst ist recht naiv, was sich aber auch auf ihre Verzweiflung zurückführen lässt. Sie nimmt es erst einmal hin, dass sie die Schulden für ihren Ex bezahlen muss und versucht, ihr neues Leben in den Griff zu bekommen. Im Laufe der Geschichte entwickelt sie sich allerdings, doch in welche Richtung?




Ich werde in dieser Rezension jetzt mal so richtig gemein sein, denn ich werde euch nicht verraten, um welchen Nebenjob es hier geht! Dies werdet ihr schon selbst herausfinden müssen! Es sei nur so viel gesagt: Heidi Oehlmann gibt hier Einblick in eine Branche, für die sich Amelie unter normalen Umständen wohl nicht interessiert hätte. Urplötzlich verdient die junge Frau nun aber einiges an Geld. Sie kann den Gerichtsvollzieher bezahlen, sich Dinge leisten und endlich ein enspannteres Leben führen. Doch zu welchem Preis?

Als Leser begleiten wir Amelie bei ihren neuen Job, müssen die eine oder andere peinliche beziehungsweise beklemmende Situation miterleben und wissen dabei doch nicht, wohin sich die Geschichte entwickelt. Besonders witzig fand ich die "Zufälle", die Amelie das Leben erst einmal schwer machen. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt!

Es passieren einige Morde im Verlauf der Story und ab hier wandelt sich das Buch von einem Roman in einen echten Psychothriller. Amelie beginnt an sich und ihrem neuen Job zu zweifeln. Wird sie etwa verrückt? Hat sie etwa etwas mit den Morden zu tun? Oder warum sonst trifft es in erster Linie ihre Kunden? Spielt da jemand mit ihr?

Ich fand das Ende und die Auflösung absolut überraschend, da ich die ganze Zeit eine andere Person im Verdacht hatte und den wahren "Täter" letztendlich gar nicht auf den Schirm hatte. Hier muss ich Heidi Oehlmann wieder einmal loben und hoffe, dass sie noch viele weitere Bücher dieser Art schreibt!




Heidi Oehlmann schreibt tolle Bücher, die sehr eigen sind und nicht dem Mainstream folgen!
"Tödlicher Nebenjob" ist ein überraschender Genremix, der mich echt begeistern konnte! Eine klare Empfehlung!


Sonntag, 21. Mai 2017

Wer traut sich nach Finsterhoven in die Kinder- und Jugendpsychiatrie?

Es ist endlich soweit! Mein vierter Jugendthriller steht endlich in den Startlöchern und es gibt so einige neue Veränderungen! Zum einen habe ich mich endlich dazu entschlossen, einen Künstlernamen anzunehmen, der mir viel bedeutet und der, wie ich finde, auch gut zu mir passt!

Wer mich und meine Bücher schon länger verfolgt, wird wissen, dass ich mit meinem "richtigen" Namen nie so recht glücklich war. Es war fast, als gehörte er nicht zu mir. Auch haben mich im
vergangenem Jahr enorm viele Selbstzweifel geplagt. Ich habe eine Dystopie geschrieben, die dann aber nach dem Korrektur und Testlese-Vorgang auf meine Abschussliste gelandet ist. Mir fehlte es an Motivation weiter daran zu arbeiten und ich wusste selbst, dass für die Art der Geschichte der richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen ist.

Da kaum ein Tag vergeht an dem ich nicht schreibe, habe ich mich in die Geschichte über eine kürzlich geschlossene Kinder- und Jugendpsychiatrie gestürzt und bin dem Geheimnis dahinter auf die Spur gegangen. Ich wollte nicht diese typische Story über eine Klinik, die vor vielen Jahren geschlossen wurde, schreiben, sondern über etwas, das aktuell ist und das viele Patienten betrifft. Verständnis und ehrliches Mitgefühl ist in unserer Welt leider extrem verloren gegangen und darum soll es in diesem Buch jetzt gehen!

Hier präsentiere ich euch nun auch das Cover und den Inhalt. Das Buch erscheint schon am Freitag als Ebook, das Taschenbuch wird kurz darauf folgen! Ich freue mich über jeden Leser, der Lust hat, die Kinder- und Jugendpsychiatrie vor und nach der Schließung zu erkunden! Herzlichen Dank für jeden, der mich in dieser Zeit unterstützt hat und der mich, meine verpeilte Art und meine Geschichten erträgt! ;)



Die alte Kinder- und Jugendpsychiatrie liegt verlassen und fast vergessen im Wald von Finsterhoven. Eine tragische Geschichte hat sich vor wenigen Monaten dort abgespielt. Eine Geschichte, die sich fest in dem dunklen Gemäuer verankert hat und die unerbittlich Wellen schlägt ...

Oktober 2016: Miranda und Seth erkunden die längst vergessene Kinder- und Jugendpsychiatrie im Wald von Finsterhoven. Tragisches scheint sich auf der geschlossenen Station im letzten Stockwerk abgespielt zu haben und als Seth plötzlich verschwindet, findet sich Miranda in ihrem persönlichen Albtraum wieder. Ein Albtraum, der bereits im April seinen Anfang nahm ...

April 2016: Cara wird aufgrund eines Vorfalls in die Kinder- und Jugendpsychiatrie eingewiesen. Sie fühlt sich missverstanden und rebelliert, muss jedoch mit Entsetzen feststellen, wie verloren die Patienten dieser Anstalt sind und wie wenig Verständnis die Angestellten ihnen entgegenbringen. Als sie Parker, eine engagierte Psychologiestudentin kennenlernt, schöpft sie Hoffnung. Doch bringt diese Hoffnung auch eine Veränderung mit sich?



Freitag, 19. Mai 2017

[Rezension] Der letzte erste Blick - Bianca Iosivoni

Titel: Der letzte erste Blick
Autor:  Bianca Iosivoni
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 24. April 2017
Anzahl der Seiten: 464
Cover und Inhaltsangabe © Lyx

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!





"Endlich frei! Emery Lance kann es nicht erwarten, ihr Studium in West Virginia zu beginnen. Niemand kennt hier ihre Geschichte. Niemand weiß, was zu Hause geschehen ist. Dafür ist sie auch bereit, in Kauf zu nehmen, dass die Situation im Wohnheim alles andere als ideal ist. Nicht nur treibt ihr Mitbewohner sie regelmäßig in den Wahnsinn - sein bester Freund Dylan Westbrook bringt ihr Herz mit einem einzigen Blick zum Rasen ..."




"Der letzte erste Blick" von Bianca Iosivoni wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar angeboten. Da ich weder die Autorin kannte und auch sonst wenig in diesem Genre lese, dachte ich mir, dass ich dieses Buch einmal ausprobiere. Der Klappentext klang ganz vielversprechend und ich habe eine süße und leichte Geschichte erwartet, die ich nach der Lektüre von Jane Austens "Emma" auch bitter nötig hatte.

Bianca Iosivonis Stil ist wirklich sehr leicht und locker, perfekt geeignet für jugendliche Leser! Was mich allerdings bereits zu Beginn gestört hat: Warum muss es an einem amerikanischen College spielen? Warum muss alles in diese amerikanische Richtung gedrängt werden? Eine Richtung, die so sehr nach Highschool-Teenie-Film schmeckt, dass bei mir schnell ein Hauch Frustration einsetzt. Ich habe wirklich nichts dagegen, wenn auch deutsche Autoren ihre Geschichten nach Amerika verfrachten, aber hier hätte ich mir dann irgendwie ein Wissen über diese Teeniefilme hinaus gewünscht!

Trotz dieser erster kleinen Kritik lässt sich das Buch dennoch gut und flüssig lesen. Bianca Iosivoni hat auf jeden Fall Talent zum Schreiben, doch ich muss auch ehrlich sagen, dass mich die Story leider überhaupt nicht vom Hocker reißen konnte, was mir beim Verfassen dieser Rezension wirklich leid tut!




- Emery -

Emery ist eigentlich das "Bad Girl" dieser Geschichte. Zu Beginn legt sie sich mit ihrem neuen Mitbewohner an und bricht ihm beinahe die Nase. Die Bezeichnung "Schlägerbraut" passt eigentlich recht gut zu ihr. Diese Aggression rührt aber in erster Linie daher, dass sie auf ihrer Highschool zuvor etwas erlebt hat. Ihre Vorgeschichte ist allerdings recht vorhersehbar und es gibt so viele Andeutungen, dass ich als Leser frühzeitig wusste, was Emery denn passiert sein musste. Leider setzte dann auch kein so rechtes Mitgefühl ein, obwohl dieses Thema in Zeiten des Internets tatsächlich sehr aktuell ist.

Bei solchen Romanen wie diesen hier fiebere ich meistens mit der weiblichen Protagonistin mit, doch Emery selbst hat mich irgendwie nicht erreichen können. Ich fand sie teilweise zu überheblich, zu selbstbewusst und deswegen fehlte es mir beim Lesen leider komplett an Sympathie.

- Dylan -

Der männliche Gegenpart von Emery und eigentlich der "Good Guy" der Geschichte ist Dylan. Auch er hat natürlich ein kleines "Geheimnis", was für meinen Geschmack dann aber ebenfalls zu offensichtlich war. Dylan selbst war mir halbwegs sympathisch, eben weil er eher der Typ ist, der allen hilft und sich selbst immer hinten anstellt.




Der Monat lief bis jetzt eigentlich gut und ich dachte tatsächlich, mal wieder auf einen Flop verzichten zu dürfen. Leider konnte mich aber "Der letzte erste Blick" von Bianca Iosivoni nicht so recht begeistern. Es fing schon auf den ersten Seiten an, die mich zwar an meine Jugend erinnerten, allerdings auch an diese sinnlosen Teenie-Filme, die doch alle nach dem gleichen Muster ablaufen. Das wäre so kein Problem gewesen, wenn das Buch wenigstens emotional gewesen wäre oder aber einige überraschende Wendungen parat gehalten hätte ...

Positiv hervorheben möchte ich aber auf jeden Fall den Stil der Autorin. Ich habe mich gut in die Geschichte hineingefunden, konnte mir alle Personen gut vorstellen und es gab auch einige echt lustige Momente wie beispielsweise die Streiche, die sich unsere beiden Protagonisten spielen.

Als ich das Buch zum ersten Mal aufgeschlagen habe, fand ich die Playlist am Anfang echt schön und ich hatte mir vorgenommen, beim Lesen in die passenden Songs reinzuhören. Dies habe ich nach den ersten fünf Songs aufgegeben, da ich keinerlei Verbindung zur Geschichte gespürt habe und die meisten Lieder doch eher Richtung "Mainstream" gingen und bei mir für noch mehr Frustration gesorgt hätten. Dies ist aber hier nur mein persönlicher Geschmack, denn ich mag lieber emotionale Songs.

Die Liebesgeschichte in diesem Buch konnte mich allerdings nicht mitreißen. Ich lese nicht viel im "New Adult"- Bereich und kann deswegen auch keinerlei Vergleiche ziehen, aber für mich war das alles zu sehr vorhersehbar. Zum einen sind da die zwei Geheimnisse unseres Paares, die ich als Leser recht schnell durchschaut habe, zum anderen sind es diese typischen Steine, die den beiden in den Weg gelegt wurden. Dabei hatte ich wirklich immer wieder diese Teeniefilme im Kopf, denn die liefen von der Story doch echt haargenau gleich ab ...

Was mir auf jedem Fall gefehlt hat, waren spürbare Emotionen. Leider hat mich die Geschichte nicht berührt. Die Liebesgeschichte hatte zwar einige süße Momente, aber sie konnte mein Herz überhaupt nicht berühren. Auch die Charaktere waren für mich nicht sonderlich präsent. Es waren einige interessante Hintergrundgeschichten vorhanden, aber alles war mir doch eine Spur zu oberflächlich. Auch das Ende mit dem kleinen Problemchen, das wieder präsent wird, war mir dann zu vorhersehbar und ich muss sagen, dass ich wirklich froh war, als die Geschichte vorbei war. Den zweiten Teil werde ich wohl nicht mehr lesen!




Diese Rezension ist mir besonders schwer gefallen. Auf der einen Seite fand ich den Stil der Autorin wunderbar leicht und flüssig, auf der anderen Seite war die Geschichte rund um Emery und Dylan zu vorhersehbar und konnte mich weder berühren, noch überraschen. Ich möchte hier ehrlich bleiben
und kann das Buch leider nicht schönreden, aber ich wünsche der Autorin, die ja vorwiegend positive Resonanz bekommen hat, alles Gute auf ihrem Weg. Mein Geschmack war das Buch aber leider überhaupt nicht!





Mittwoch, 17. Mai 2017

[Rezension] Emma - Jane Austen

Titel: Emma
Autor:  Jane Austen
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: erstmals 1815
Anzahl der Seiten: 543
Cover und Inhaltsangabe © dtv





"Emma Woodhouse, eigenwillig, selbstsicher, jung und sehr schön, gehört zu den großen Frauengestalten der Weltliteratur. Scheinbar nur um die andern bemüht, beschließt sie, etwas mehr Schwung in das Liebesleben ihrer Freunde zu bringen. Doch ihre Bemühungen schlagen fehl und führen zu den seltsamsten Verwicklungen ..."





Vor vielen Jahren habe ich bereits "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen gelesen, doch zu der damaligen Zeit war ich wenig interessiert an England des 18. und 19. Jahrhunderts und konnte auch mit den gesellschaftlichen V
erflechtungen recht wenig anfangen. Zum Glück hat sich dies geändert und ich kam endlich in den Genuss, ein weiteres Buch von Jane Austen zu lesen.

"Emma" ist wohl eins ihrer eigenwilligsten Romane. Jane Austen wollte mit Emma eine Hauptfigur schaffen, die niemand aus ihr selbst besonders mögen wird. Ich für meinen Teil muss sagen, dass ich Emma als Charakter mochte, genau wie alle weiteren Personen, die mit soviel Leidenschaft und Ehrlichkeit gefüllt sind.

Neben den tollen Charakterzeichnungen besticht "Emma" natürlich auch durch den Schreibstil. Wie die damalige Zeit es verlangt hat, ist die Sprache ausgesprochen methaphorisch, besitzt Witz, aber auch einen gewissen Charme. Während Charles Dickens Stil mir in "Oliver Twist" zu distanziert vorkam, macht Jane Austen alles richtig. Ich habe mich teilweise selbst als Teil der damaligen Gesellschaft gefühlt und konnte mich auch nach wenigen Seiten an die vielen Endlos-Sätze gewöhnen, die Jane Austen voller Geschick aufs Papier gezaubert hat.




- Emma -

Emma ist natürlich unsere Protagonistin in diesem Buch. Sie ist reich, schön und vielleicht eine Spur zu Selbstbewusst. Dieses Selbstbewusstsein steht ihr aber durchaus gut und ich kann Emma an dieser Stelle nicht arrogant nennen. Sie ist vielmehr von ihren Stärken überzeugt, muss im Laufe der Geschichte aber auch eine andere Seite an sich kennenlernen.

Emma selbst hat sich geschworen, niemals zu heiraten. Viel lieber verbringt sie ihre Freizeit damit, andere Menschen zu verkuppeln. Mit ihrer geliebten Erzieherin und Freundin  Miss Taylor ist dies gelungen, diese ist jetzt die angesehnte Frau von Mr. Weston. Doch Emma ist sich ihrem Talent bewusst und möchte nun auch noch den Pfarrer Mr. Elton verkuppeln. Ob das gut gehen kann?

Für mich war Emma trotz ihrer sturen Art eine sehr liebevolle Person, die zwar den ein oder anderen Fehler begeht, dennoch immer selbst nachdenkt und versucht, auch ihre Mitmenschen glücklich zu machen. Auch wenn ihr das nicht immer gelingt, überwiegen doch ihre positiven Eigenschaften.

- Harriet -

Emma freundet sich mit Harriet an. Diese ist ein Mädchen aus einer niederen gesellschaftlichen Schicht, doch Emma hat sich in den Kopf gesetzt, sie mit dem Pfarrer zu verkuppeln. Ob ihr das gelingen wird, werde ich an dieser Stelle nicht verraten, doch Harriet selbst tat mir beim Lesen an manchen Stellen unsagbar leid.

Sie ist eine typische Mitläuferin, die sich an der Gesellschaft von Emma erfreut und dieser bei allem zustimmt. Dabei lässt sie den Mann, den sie eigentlich gern hat, links lieben, weil ihre liebe Freundin der Meinung ist, dass Mr. Elton besser zu ihr passt. Harriet selbst scheint nicht viel nachzudenken und das soll ihr noch zum Verhängnis werden.

- Mr. Elton -

Hier muss ich auch kurz etwas zu Mr. Elton schreiben. Er soll, nach Emmas Plan, ja mit Harriet verkuppelt werden. Anfangs war ich, wie wohl auch Emma und Harriet der Meinung, dass wir in dem Dorfpfarrer einen Gentleman finden, doch diese Auffassung hat sich recht schnell gewandelt.

- Mr. Knighley -

Mr. Knightley ist von Anfang an ein guter Freund von Emma, ihrem Vater und den anderen Familien, die in diesem Buch wichtig sind. Er scheut sich nicht, Emma auch einmal zu sagen, dass sie vielleicht auf den Holzweg ist und das hat mir von Anfang an so sehr an ihm gefallen. Er besitzt genau jene rationale Sichtweise, die Emma braucht!




"Emma" war eine Geschichte, die mich jetzt über eine Woche begleitet hat. Ja, richtig gehört, ich habe über sieben Tage an diesem Buch gelesen, denn es ist kein Buch, dass sich besonders schnell von der Hand liest. Erst einmal musste ich mich an den Stil gewöhnen. Innerhalb weniger Seiten wurde ich in eine Zeit katapultiert, die mit unserer nichts mehr gemein hat. Zum einen musste ich mich an die Sprache gewöhnen. Jane Austen besitzt einen sehr metaphorischen Stil und setzt viel wert auf den Umgang der einzelnen Personen.

Dieser Einblick in die Gesellschaft Englands zur damaligen Zeit hat mir besonders zugesagt. Zwar waren es harte Zeiten, denn viel, wenn nicht sogar alles, hing vom eigenem gesellschaftlichen Stand ab, dennoch ist das Leben für mich als "scheuer Mensch" dann doch sehr interessant. Das Familienleben war damals genauso wichtig wie das Finden des geeigneten Ehepartners. Dabei spielte natürlich vor allem das eigene Ansehen eine große Rolle.

Emma selbst ist eine reiche Frau, die eigentlich gar nicht heiraten will. Sie hat alles, was sie zum Glücklichsein braucht: ihren Vater, das Anwesen und gute Bekanntschaften. Ihre Zeit verbringt sie lieber mit ihren Verkuppelungsversuchen, vielleicht weil sie gerne Menschen zusammenführt, vielleicht aber auch, um ihre eigenen Ideen umsetzen will. Genau wie ihr Vater, der sehr eigenbrötlerisch ist, ist auch Emma ein Charakter, den der Leser auf jeden Fall im Gedächtnis behält!

Die Geschichte selbst ist im Jahre 1815 erstmals in drei Bänden erschienen. Die Geschichte ist deshalb in "erstes Buch", "zweites Buch" und drittes Buch" untergliedert. Besonders gefallen hat mir der erste Teil, in dem wir erst einmal alle wichtigen Charaktere kennenlernen und auch Emmas "Talent zum Ehestiften" hautnah begutachten dürfen.

Das "zweite Buch" fand ich hingegen etwas zäh, auch wenn die Geschichte durchaus noch immer lesenswert war. Hier hatte ich aber wohl auch eine gewisse Abneigung gegen Frank Churchill, der plötzlich im Zentrum des Geschehens steht. Er ist der Stiefsohn von Mrs. Weston (die ehemals Miss Taylor war) und sorgt für einige Irrungen und Wirrungen.

Der letzte Teil hat mir wiederum wieder gut gefallen. Es gibt so einige Wendungen, einige echt schöne Momente und ein Ende, das mich das Buch glücklich hat zuschlagen ließ. Auch wenn ich die Geschichte nicht wie viele andere als Komödie empfunden habe, hat mir die Geschichte der eigenwilligen Emma doch gefallen und ich hoffe, bald ein weiteres Buch von Jane Austen lesen zu dürfen!




"Emma" ist ei toller Roman über eine junge und selbstbewusste Frau, die selbst nicht heiraten
möchte, aber ihre Mitmenschen gerne verkuppelt. Trotz einigen wenigen zähen Momenten kann ich das Buch empfehlen und ich hatte viel Spaß in der Gesellschaft von Emma, ihrem Vater, Mr. Knighley, Harriet und Jane.

Sonntag, 14. Mai 2017

[Rezension] Spiele-Comic Krimi: Sherlock Holmes 01 von Pegasus

Titel: Spiele-Comic Krimi: Sherlock Holmes 01
Genre: Spiele-Comic, Krimi
Erscheinungsdatum: 15.03.2017
Cover © Pegasus





Heute möchte ich euch gerne einmal ein etwas anderes Buch vorstellen. Bei Lovelybooks wurde ich auf den Spiele-Comic zu "Sherlock Holmes" aufmerksam. Da ich großer Fan von Sherlock Holmes bin, musste ich mich einfach auf das Buch bewerben und es hat tatsächlich geklappt!

Zu allererst stellt sich hier die Frage, was eigentlich ein Spiele-Comic ist. Wer Abenteuerspielebücher kennt, weiß bestimmt etwas damit anzufangen, denn auch dort trifft man eigene Entscheidungen, die letztendlich die Geschichte beeinflussen und in eine eigene Richtung lenken. So funktioniert das auch bei diesem Spiele-Comic. Wir gehe von Bild zu Bild, haben viele Entscheidungsmöglichkeiten, wie wir ermitteln, was wir uns anschauen, welche Personen wir befragen und welche Fragen wir stellen. All das gibt uns die nötigen Hinweise - oder eben nicht, wenn wir uns falsch entscheiden.

Bei diesem Spiele-Comic aus dem Bereich Krimi (Ich habe gesehen, dass bei Pegasus bereits einer aus dem Bereich "Abenteuer" erschienen ist!) müssen wir den Fall selbst lösen. Wir müssen entscheiden, was bei den einzelnen Fällen passiert ist und vor allem, wer der Täter ist. Auch für mich als eingefleischter Krimi-Fan waren die Fälle teilweise echt knackig!




- Sherlock Holmes -

Wir können uns bei drei der Fälle entscheiden, ob wir mit Holmes selbst oder aber mit Watson ermitteln wollen. An Sherlock Holmes Seite ist es natürlich ein wenig schwerer. Hier haben wir zwar unseren Spürsinn auf unserer Seite, aber wir dürfen bei Befragungen nur drei Fragen fragen stellen. Ich habe bei zwei Fällen mit Holmes gespielt, da ich ihn so sehr verehre und ich hatte wirklich großen Spaß dabei.

- Dr. John Watson -

Natürlich können wir uns auch für Sherlock Holmes treuen Freund entscheiden und mit Watson spielen. Dann haben wir einen kleinen Vorteil, da er Arzt ist und die Opfer auch untersuchen kann. Zudem darf er vier Fragen stellen und sich von Holmes Tipps holen. Da man sich aussuchen kann, wen man spielt, kann man die Fälle auch mehrmals spielen und es ist dennoch abwechslungsreich!

- Moriarty -

Was wäre ein Sherlock-Holmes Fall ohne seinen großen Erzfeind Professor Moriarty? Auch dieser spielt nämlich eine kleine (oder große?) Rolle in diesem Comic und ich fand es einfach genial, was die Zeichner und Autoren hier für eine tolle Geschichte geschaffen haben, die wohl jeden Fan von Sherlock Holmes begeistern wird!




Das Buch hat mich erst einmal von der sehr hochwertigen Aufmachung überrascht. Der Zeichenstil des Comics ist eher locker gehalten und das konnte mich begeistern. Schon nach dem ersten Fall, der eigentlich mehr eine Art Tutorial war, hat mich dieses Buch gepackt, denn es gibt so einiges zu entdecken.

Insgesamt beinhaltet dieses Buch vier Fälle. Der erste Fall namens "Die Katze aus der Baker Street" ist eine kurze Einführung in das Spielprinzip. Mit Watson an der Seite befragen und untersuchen wir eine ältere Frau und finden heraus, was mit ihrer Katze passiert ist. Wer hier denkt, dass es nach jedem Fall auch sofort eine Auflösung gibt, liegt falsch, denn vorne im Buch ist eine Art Ermittlungsbogen, in dem man seine Ergebnisse einträgt, denn diese sind für den weiteren Verlauf der Geschichte noch wichtig!

Nach dem ersten "kleineren" Fall geht es auch schon sehr verstrickt weiter. In "Die Lebenslinie" untersuchen wir den Tod einer Wahrsagerin, in "Der Gedächtnislose im Wald von Highgate" müssen wir herausfinden, was einem Mann passiert ist, der sich an nichts mehr erinnern kann und im letzten Fall "Der Skarabäus aus dem British Museum" kommen wir einer Fälschung auf die Spur. Die Fälle sind allesamt sehr abwechslungsreich und originell. Man hat es selbst in der Hand, welche Informationen man bekommt, welche Personen man befragt und was genau man untersucht.

Sehr spannend fand ich auch, dass Moriarty vorkommt und eine wichtige Rolle spielt. Hier sind auch kleine Rätsel eingearbeitet, die man zusätzlich lösen kann. Diese sind wirklich spannend und herausfordernd.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass mich der Spiele-Comic sehr gut unterhalten hat. Die Fälle haben genau den richtigen Schwierigkeitsgrad und da man die Wahl zwischen Sherlock Holmes und Watson hat, kann auch hier die Härte des Falls noch erhöht oder gesenkt werden. Das Ermitteln hat mir großen Spaß gemacht und die Auflösungen waren wirklich sehr gut durchdacht! Ich hoffe, dass es bald noch mehr Fälle in Form dieser Spiele-Comics gibt, denn ich hatte wirklich großen Spaß!



Pegasus hat in diesem Spiele-Comic vier tolle Fälle miteinander verbunden, die herausfordern sind,
jede Menge Spaß und Überraschung bieten und zu unterhalten wissen. Hier kann der Leser selbst zum Ermittler werden und sein Können unter Beweis stellen. Bitte mehr davon! Von mir gibt es eine klare Empfehlung!



Mittwoch, 10. Mai 2017

[Rezension] Sherlock Holmes, Der Hund von Baskerville - Sir Arthur Conan Doyle

Titel: Sherlock Holmes, Der Hund von Baskerville
Autor:  Sir Arthur Conan Doyle
Genre: Kriminalroman
Erscheinungsdatum: erstmals 1902
Anzahl der Seiten: 192
Cover und Inhaltsangabe © Delphin Verlag



"Seit Jahren lastet ein Fluch auf den Baskervilles: Ein riesiger Hund treibt in Dartmoor sein Unwesen und hetzt die männlichen Nachkommen der Familie zu Tode. Sherlock Holmes und Dr. Watson gehen der Sache auf den Grund."




Ich war schon in meiner Jugend ein großer Fan von Sherlock Holmes und habe so einige Fälle mit ihm gemeinsam gelöst. So recht erinnern kann ich mich an die meisten nicht mehr und so war es klar, dass ich jetzt nach und nach noch einmal alle Werke von Sir Arthur Conan Doyle lesen werde.

"Der Hund von Baskerville" ist der dritte Roman mit Sherlock Holmes in der Hauptrolle und wohl auch das bekannteste Buch von Sir Arthur Conan Doyle. Ich kannte das Buch zuvor nicht, auch wenn ich die Geschichte in Ansätzen bereits durch "Detektiv Conan" erfahren habe, meiner absoluten Lieblingsmangareihe.

Zum Schreibstil muss ich hier an dieser Stelle wohl nicht viel sagen. Ich liebe diese Berichterstattung von Dr. Watson, den etwas distanzierten, aber dennoch aus schriftstellerischer Sicht sehr markanten Stil. Er lässt einen miträtseln, die auftretenden Personen kennenlernen und den Fall Stück für Stück entschlüsseln.




- Sherlock Holmes -

Sherlock Holmes ist brilliant. Ich mag seine Beobachtungsgabe und seine Leidenschaft, genau wie seine Art, seine Schlussfolgerungen zu offenbaren. Sie mögen auf den einen oder anderen vielleicht etwas arrogant wirken, doch ich finde, diese Überlegenheit steht Sherlock Holmes wirklich gut!

- Dr. Watson -

Ich bin großer Fan von Dr. Watson und seinen Versuchen, die einzelnen Rätsel zu durchschauen. Im Fall vom "Hund von Baskerville" ist er gefragt, denn Sherlock Holmes selbst reist erst einmal nicht zum Anwesen von Baskerville. Stattdessen ist Dr. Watson auf sich allein gestellt und soll den jetzigen Hausherren beschützen. Wird ihm dies gelingen oder reicht schon ein einziger Augenblick der Unachtsamkeit aus, um dem Mörder eine passende Chance zu geben?




"Der Hund von Baskerville" beginnt mit dem Auftauchen eines Arztes, der im engen Kontakt zu dem gerade verstorbenen Hausherren von Baskerville steht. Er war es auch, der die Leiche untersucht hat und dort auf einige Ungereimtheiten stieß. Es scheint, als wäre ein riesiger Hund in der Nähe gewesen. Vor vielen Jahren gab es bereits einmal ein Fall mit einem Höllenhund und dem einstigen Besitzer Baskervilles und seitdem werden so einige Geschichten erzählt. Ist diese blutrünstige Bestie etwas zurückgekehrt? Uns sie ist sie vielleicht selbst ein Diener des Teufels?

Ich muss zugeben, dass ich die Legende um den Hund echt gruselig fand - auch wenn ich Hunde liebe! Sherlock Holmes selbst ist aber völlig unbeeindruckt, denn als logisch denkender Mensch glaubt er natürlich nicht an solche Geistergeschichten. Dennoch ist sein Interesse geweckt, denn nun soll der neue Erbe das Anwesen übernehmen und der Arzt, Dr. Mortimer, hat Sorge, dass auch diesem etwas zustößt.

Henry Baskerville, der neue Besitzer des Anwesens, wird auch gleich nach seiner Ankunft in London mit seltsamen Dingen konfrontiert und Holmes schickt Dr. Watson als Leibwächter mit nach Baskerville. Nach und nach entschlüsselt dieser auch so einige Rätsel, doch die Spur zum wahren Mörder ist sehr zäh.

Die Geschichte ist durchwegs spannend und fesselnd. Es tauchen einige Hürden auf, einige Geheimnisse und ich habe die ganze Zeit mit Henry Baskerville mitgefiebert und gehofft, dass er nicht zum Opfer des Hundes wird. Hier hat Sir Arthur Conan Doyle wirklich eine kleine, aber böse Wendung eingebaut, die mich beim Lesen echt schockiert hat.

Die Auflösung konnte mich begeistern und es hat mir wieder einmal gezeigt, wie intelligent und fesselnd die Fälle von Holmes doch sind. Jetzt heißt es erst einmal, sich kurz von diesem gruseligen Fall mit dem "Hund von Baskerville" erholen und dann rein ins nächste Abenteuer!




Ein spannender Fall um eine alte Legende, eine blutrünstige Bestie, die auf ihr nächstes Opfer wartet und um einen Mörder, der Sherlock Holmes lange Zeit einen Schritt voraus ist. Absolute
Empfehlung!

Sonntag, 7. Mai 2017

[Rezension] Oliver Twist - Charles Dickens

Titel: Oliver Twist
Autor:  Charles Dickens
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: erstmals 1838
Anzahl der Seiten: 336
Bereits gelesene Bücher des Autoren: keins
Cover und Inhaltsangabe © cbj



"Oliver Twist kämpft sich durchs Leben der Londoner Unterschicht. Eines Tages fällt er der Gaunerbande des alten Fagin in die Hände und wird zum Stehlen gezwungen. Als er sich erwischen lässt, muss Oliver ins Gefängnis. Nach seiner Entlassung wartet die Bande bereits auf ihn. Doch dann taucht der mysteriöse Mr Brownlow auf …"




Endlich habe ich mein erstes Buch von Charles Dickens gelesen, denn wie ich bereits angekündigt hatte, soll der Mai ganz im Zeichen der großen Klassiker stehen und mich der einen oder anderen älteren Lektüre näherbringen. Zwar geht es bei mir im Privaten gerade drunter und drüber, was gerade das Lesen solcher anspruchsvollen Werke etwas mühselig macht, aber dennoch werde ich mich mit den Klassikern ein wenig auf andere Gedanken bringen.

Kommen wir hier auch nun zum Schreibstil und Aufbau des Buches. Es ist keine Lektüre, die einfach zu lesen ist. Teilweise habe ich einen klaren Kopf gebraucht, was mir momentan recht schwer fiel. So ehrlich und treffend Charles Dickens Stil auch ist, so wirr ist er auch teilweise - was ich vor allem auf die Vielzahl der auftretenden Personen schiebe.

Ich benötigte gerade zum Ende hin, als Oliver Geschichte komplett in den Händen anderer lag, eine hohe Konzentration und hätte das Buch mit einem freieren Kopf wohl noch eine Spur intensiver genießen können! Der Schreibstil hat mir aber zugesagt, denn es war spürbar, wie tief Charles Dickens selbst in der Geschichte rund um seinen kleinen Helden drin war und wie viel Freude ihn das Ausarbeiten der Story gemacht hat.




- Oliver Twist -

Wie der Titel es vermuten lässt, steht natürlich Oliver Twist selbst im Fokus der Geschichte. Wir erleben seine Geburt, sehen wie er in einem Waisenhaus aufwächst und stets ungerecht behandelt wird. Niemand will ihn haben, nicht einmal für Geld und das hat mir beim Lesen des Anfangs fast das Herz gebrochen.

Oliver habe ich schon nach wenigen Seiten in mein Herz schließen können. Er ist ein toller, wenn auch noch recht naiver Junge, der vollkommen einsam ist und im Armenhaus wie Abfall behandelt wird. Seine Geschichte ist tragisch, hat mich berührt und am liebsten wäre ich selbst in das Buch gestiegen, um ihn zu beschützen.

Oliver Twist ist der Held dieses Romans, ein kleiner Junge, der trotz etlicher Rückschläge immer wieder aufsteht und weitermacht. Klar, an dieser Stelle muss ich zugeben, dass Charles Dickens mit ihm als Protagonisten einen viel zu gebildeten, klugen und zuvorkommenden Jungen erschaffen hat, wenn man im Hinterkopf behält, wie er aufgewachsen ist!

- Mr. Brownlow -

Mr. Brownlow ist der erste Mensch, der ehrliches Interesse an Oliver zeigt und ihm vertraut, obwohl ihm bewusst ist, dass Oliver selbst auf die schiefe Bahn geraten ist. Er glaubt an das Gute ihn ihm, auch als ein weiteres Mal enttäuscht wird.

Die Geschichte, wie Oliver zu Mr. Brownlow kommt ist sehr tragisch, genau wie der Moment, als er diesen wieder verlassen muss. Ich hatte stets gehofft, dass sich ihre Wege noch ein weiteres Mal kreuzen werden, denn Mr. Brownlow hat Oliver geachtet und respektiert.

- Nancy -

Eigentlich sollte ich bei den Charakteren den Oberbösewicht und Anführer der Diebesbande Fagin erwähnen, aber ich habe mich stattdessen für Nancy entschieden, denn sie war ein Charakter, den ich ebenfalls sehr mochte. Sie stellt sich tapfer auf Olivers Seite, obwohl sie selbst Teil der Verbrecherbande ist. Ihr eigenes Leben ist ihr egal, denn es ist ihrer Meinung nach eh verschwendet.

Ich habe mit Nancy gebangt, dass auch sie die Chance auf einen Neuanfang bekommt, weswegen ich ihre Geschichte am traurigsten in diesem Buch fand. Beinahe berührender als die von Oliver Twist selbst.




Der Beginn der Geschichte beschreibt die Geburt Oliver Twists und eine ersten Lebensjahre. Es wird schnell klar, dass er nirgends einen Platz in dieser Welt zu haben scheint und er vollkommen einsam ist - Ein Grund warum ich mich gut mit ihm identifizieren konnte. Seine ersten Lebensjahre waren voller Qual und Leid und er hatte dennoch stets Hoffnung, dass alles irgendwann besser werden würde.

Oliver Twist selbst ist ein kleiner Held, der sich zwar aufgrund seines Alters fast wie eine Marionette von einem Ort zum anderen leiten lässt und das Unrecht der damaligen Zeit am eigenen Leib spüren muss, dennoch aber immer nur das Gute in den Menschen sieht. Verstehen konnte ich Oliver deswegen nur bedingt, aber ich denke, dass auch eine gewisse Naivität eine Rolle spielt. Interessant ist auf jeden Fall, dass er sich nicht selbst aufgibt und nicht Teil der Verbrecherbande sein will.

Die Geschichte beschreibt die Ungerechtigkeiten der damaligen Zeit, die Unterschiede zwischen Arm und Reich und auch die Hoffnungslosigkeit, die viele Menschen zu Verbrechern werden lässt. Die Diebesbande, die selbst auch im Zentrum dieser Geschichte steht und vor nichts zurückschreckt, soll aber auf jeden Fall der Abschreckung dienen, die Einzelschicksale sind allerdings berührend.

Ich muss gestehen, dass ich dachte, "Oliver Twist" wäre nur eine einfache "Abenteuergeschichte" über einen Jungen, der auf der Straße überleben muss, doch hier steckt noch viel mehr dahinter. Oliver selbst ist nämlich Teil einer Intrige, einer großen Lüge, die auch sein Leben bestimmt. Gerechnet hätte ich mit solch einer "Auflösung" seiner Geschichte nicht und weiß auch nicht, ob es das "Happy End" ist, das ich erwartet hatte.




Trotz meiner Kritik kann ich aber sagen, dass mich das Buch mit auf die Reise genommen hat. Ich
habe mit Oliver mitgefiebert, mit ihm gehofft und gelitten. Der Roman ließ sich erstaunlich gut lesen, erfordert aber aufgrund vieler auftauchender Personen eine hohe Konzentration. Dennoch kann ich es weiterempfehlen und freue mich schon darauf, weitere Bücher von Charles Dickens entdecken zu dürfen.


Freitag, 5. Mai 2017

[Rezension] Erlösung - Jussi Adler-Olsen

Titel: Erlösung
Autor:  Jussi Adler-Olsen
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 1. Juli 2011
Anzahl der Seiten: 592
Bereits gelesene Bücher des Autoren: keins
Cover und Inhaltsangabe © dtv




"Der Hilfeschrei im Inneren einer verwitterten Flaschenpost blieb jahrelang unentdeckt. Dann landet die Botschaft im Sonderdezernat Q für unaufgeklärte Fälle. Ihre mühsame Entzifferung führt Carl Mørck und seinen Assistenten Assad auf die Spur eines entsetzlichen Verbrechens: Der Hilfeschrei, mit menschlichem Blut geschrieben, ist offenbar das letzte Lebenszeichen zweier Jungen, die Jahre zuvor entführt worden waren. Doch wer sind diese Jungen? Warum haben ihre Eltern nie eine Vermisstenanzeige aufgegeben? Sind sie womöglich noch am Leben? Bald steht fest: der Täter läuft noch immer frei herum …"




Bitte verzeiht, dass gerade weniger und leider auch kürzere Rezensionen von mir gibt, aber mein Leben steht echt gerade Kopf. Aber Show must go on und so hatte ich endlich die Chance, mein erstes Buch von Jussi Adler-Olsen zu lesen. Ich habe schon oft gehört, wie toll seine Thriller sein sollen, doch herangewagt habe ich mich nie - zugegebenermaßen bin ich ja kein großer Fan von Ermittlern und ich hatte hier besonders angst, dass die Geschichte viel zu typisch für dieses Genre aufgebaut ist.

Ich muss jedoch sagen, dass ich positiv überrascht bin. Jussi Adler Olsen hat einen sehr eindringlichen Schreibstil, bewahrt gleichzeitig eine gewisse Distanz zu seinen Charakteren, aber erzeugt auch Mitgefühl. Das hat mir bei diesem Buch ausgesprochen gut gefallen, auch wenn ich zugegeben muss, dass mir hier die Ermittlungsarbeit wieder ein bisschen "too much" war.




Das Buch beginnt unsagbar spannend mit der Flaschenpost, die bereits im Klappentext erwähnt wird. Wir sind hautnah dabei, wie diese verzweifelte Nachricht verfasst wird - und sehen auch das erschreckende Ende. Es geht hier nämlich um einen Entführer, der immer zwei Kinder entführt, Lösegeld verlangt und im Anschluss nur eines der Kinder freilässt. Dies fand ich sehr schockierend, da hier wirklich noch ein Psychospielchen mit den Eltern getrieben wird. Gut durchdacht ist es von unserem Entführer/Mörder aber auf jeden Fall

Nach und nach schaltet sich die Polizei ein. Da es sich hier um den dritten Teil einer Reihe handelt, gibt es wohl auch einige Andeutungen zu früheren Fällen, doch dennoch kam ich als unerfahrener Jussi Adler-Olsen-Leser gut in die Geschichte rein. Zwar waren mir hier die Ermittlungen selbst wie erwartet ein bisschen langatmig, aber die Mainstream-Leserschaft steht natürlich auf solche klischeehaften Polizeiermittlungen.

Abwechslungsreich gestaltet ist das Buch durch die unterschiedlichen Sichtweisen. Wir haben hier neben einen neuen Opferpaar, dessen Kinder entführt werden und die recht spektakulär in die Lösegeldübergabe involviert werden, noch die Sichtweise des Entführers/Mörders. Ja, richtig gehört, als Leser kennen wir den Täter bereits früh, erfahren, wie es zu alledem gekommen ist und bekommen Einblicke in sein Leben, das plötzlich gar nicht mehr nach Plan läuft. Zwar hatte ich immer das Gefühl, dass unser Täter einen Schritt voraus ist, aber dennoch macht er so einige Fehler.

Interessante Einblicke gibt es aber dennoch in seine "Welt", seine Hintergründe und seine Beweggründe. Er ist ein Monster, aber interessanter an solchen Werken finde ich immer die Geschichte hinter dem Bösen. Und dies ist Jussi Adler-Olsen ausgesprochen gut gelungen. Er baut eine gewisse Nähe zu dem Täter auf, lässt uns Leser aber dennoch hoffen, dass er schnell geschnappt wird.

Das Ende der Geschichte bildete ein recht typischer Showdown, allerdings hat mich etwas gestört, dass man als Leser schon ahnt, was für ein Ende es nimmt. Deswegen bot das Buch für mich zwar jede Menge Spannung, aber weniger Überraschungen.  Dennoch bin ich aber vom Stil des dänischen Autoren begeistert und werde bestimmt bald wieder ein Buch von ihm zur Hand nehmen!




"Erlösung" ist ein spannender Thriller, der Einblicke in die Gedankenwelt eines sehr
psychopathischen Entführers/Mörders gibt. Trotz etwas zäher Polizeiarbeit zu Beginn, konnte das Buch mich doch auf eine spannungsgeladene Jagd mitnehmen! Mein erstes Werk von Jussi Adler-Olsen wird definitiv nicht mein letztes gewesen sein!



Mittwoch, 3. Mai 2017

[Rezension] To all the boys I`ve loved before - Jenny Han

Titel: To all the Boys I`ve loved before
Autor:  Jenny Han
Genre: Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 25. Juli 2016
Anzahl der Seiten: 352
Bereits gelesene Bücher der Autorin: Auge um Auge (4 von 5)Feuer und Flamme (5+ von 5)Asche zu Asche (5+ von 5)
Cover und Inhaltsangabe © Carl Hanser Verlag



"Lara Jeans Liebesleben verlief bisher eher unauffällig. Nicht, dass es ihr an Herz oder Fantasie mangelte. Im Gegenteil, Liebeskummer hatte sie schon oft, und unsterblich verliebt war sie auch schon. Einmal sogar in den Freund ihrer großen Schwester. Klar, dass sie das keinem anvertrauen kann. Außer ihrer Hutschachtel. Denn um sich ihrer Gefühle klar zu werden, schreibt Lara Jean jedes Mal einen Abschieds-Liebesbrief, in dem sie so richtig ihr Herz ausschüttet, und legt ihn dort hinein. Diese fünf Briefe sind ein streng gehütetes Geheimnis. Bis zu dem Tag, an dem auf mysteriöse Weise jeder Brief seinen Empfänger erreicht und Lara Jeans rein imaginäres Liebesleben völlig außer Kontrolle gerät …"




Jenny Han hat mit Siobhan Vivian gemeinsam meine absolute Lieblingsreihe geschrieben. "Auge um Auge", "Feuer und Flamme" und "Asche zu Asche" waren für mich Bücher, die mich emotional so sehr bewegt haben, dass ich noch immer an die Geschichte und die sehr erschreckende Wendung zurückdenken muss. Es war eine Reihe, bei der ich das Gefühl hatte, selbst zu den drei Protagonistinnen zu gehören und bei der ich am Ende geweint habe, weil ich wusste, dass die drei nicht mehr wiedersehen würden.

"To all the Boys I`ve loved before" ist nun eine neue Reihe von Jenny Han mit zwei Teilen, Wir begleiten Lara Jean aus der "Ich"- Perspektive und lernen ihr recht chaotisches Leben kennen. Die Kapitel sind sehr kurz gehalten und dennoch schafft es Jenny Han wieder einmal, eine ungemeine Nähe zu allen Charaktere aufzubauen.

Zwar ist "To all the Boys I`ve loved before" nicht so tiefgründig wie die "Asche zu Asche"-Reihe, aber dennoch habe ich mich gut von dieser zuckersüßen Geschichte über die typischen Jugendprobleme unterhalten gefühlt.




- Lara Jean -

Lara Jean ist ein normales normales Mädchen, das sich sehr gute mit ihren beiden Schwestern versteht. Zu Beginn der Geschichte geht Margot, die älteste Schwester, jedoch nach Schottland und trennt sich von ihrem Freund Josh, weil sie keine Beziehung mehr möchte. Was niemand weiß: Lara Jean war selbst einmal in Josh verliebt ...

Lara Jean schreibt Liebesbriefe, allerdings keine herkömmlichen Liebesbriefe, denn sie schickt diese nie ab! Sie sieht diese Briefe als Versuch, sich von den jeweiligen Jungs zu verabschieden und versteckt sie deshalb in einer Hutschachtel. Leider finden die Briefe dann aber doch den Weg zu den Jungs und plötzlich steht ihr ganzes Leben auf dem Kopf ...

Als Protagonistin fand ich Lara Jean wirklich toll. Sie ist ein Mädchen, mit dem ich mich sehr gut identifizieren konnte. Zwar trifft sie im Verlauf der Geschichte so einige Entscheidungen, die ich nicht so recht nachvollziehen konnte, aber dennoch ist spürbar, dass sie selbst noch nicht so recht weiß, was sie möchte.

- Josh -

Josh habe ich gleich zu Beginn der Geschichte in mein Herz geschlossen, auch wenn er im späteren Verlauf etwas in den Hintergrund rückt. Er ist ein sehr ehrlicher Junge, der eigentlich immer versucht, alles mit Reden zu klären. Natürlich ist er erst einmal entsetzt, als Margot, Lara Jeans Schwester, sich von ihm trennt, doch viel mehr scheint ihn der Brief zu verwirren, den er dann plötzlich bekommt.

Ich hoffe, das Josh selbst im zweiten Teil noch eine größere Rolle spielen wild, kann mir aber vorstellen, dass sich alles in eine Richtung entwickeln wird, die mir nicht gefallen könnte. Ich muss aber jetzt einfach sagen, dass ich ganz klar Team Josh bin!

- Peter -

Hier haben wir den typischen Bad Boy der Schule, ein Aufreißer und "Möchtegern-Frauenversteher". Was Lara Jean eins an ihm fand? Ich glaube, das weiß sie selbst nicht so recht und deswegen ist ihr der Brief, den er bekommt, auch echt unangenehm.

Mit Peter entwickelt sich dann aber etwas, das Lara Jeans so nicht erwartet hätte. Kann sie etwa doch noch etwas für ihn empfinden? Und was ist mit Josh, der eigentlich immer noch ein sehr guter Freund ist?




Lange habe ich mich auf dieses Buch gefreut und nun habe ich es endlich gelesen oder besser gesagt verschlungen. Ich liebe Jenny Hans Stil, denn schon nach wenigen Seiten sind mir die Charaktere ans Herz gewachsen.

Zu Beginn lernen wir erst einmal Lara Jean und ihre ihre Familie kennen. Diesen Zusammenhalt der drei Schwestern, die mit ihrem Vater alleine leben, fand ich einfach nur schön und er ist wohl viel zu selten auf dieser Welt. Lara Jean liebt ihre Schwestern, allen voran Margot, die Älteste der Drei, die ihr eine Art Vorbild ist.

Das Buch beinhaltet die typischen Probleme des Erwachsenwerdens. Lara Jean hat sich eine Art Schutzschild aufgebaut. Die Briefe, die sie schreibt und niemals abschickt, sollen ihr den Abschied erleichtern. Im Grunde hat sie jedoch nur angst, echte Gefühle zuzulassen und sich in eine "Beziehung" hineinzusteigern. Also beschließt sie lieber, sich von vorneherein von den Jungs zu "verabschieden" und so niemanden an sich heranzulassen.

Blöd nur, dass die Briefe dann abgeschickt werden und bei vier von fünf Jungs landen. Bei zweien ist es halb so schlimm, doch die Sache mit Peter, dem ersten Jungen, den sie je geküsst hat und Josh, dem Freund/Exfreund ihrer Schwester ist heikel. Plötzlich wird Lara Jean überrumpelt und macht so einige Dinge, die so gar nicht zu ihr passen ...

"To all the Boys I´ve loved before" ist eine süße Geschichte übers verlieben, über Unsicherheiten, über den Mut, zu seinen Gefühlen zu stehen und auch über Angst, jemanden zu verlieren. Das Buch beinhaltet eine Art "Dreiecksbeziehung", die eigentlich gar keine ist und sehr kompliziert wird. Die Geschichte ist witzig und dennoch emotional, auch wenn ich Lara Jean mit ihrem Gefühlschaos an manchen Stellen einfach nicht verstehen konnte! Aber so sind Jugendliche in dem Alter wohl ...

Nach den letzten Seiten ist die Geschichte auch noch nicht zu ende, denn es gibt einen zweiten Teil auf den ich gespannt bin und bei dem ich hoffe, dass er sich in eine bestimmte Richtung entwickeln wird. Ich bin auf jeden Fall froh, dass Lara Jeans Geschichte noch nicht vorbei ist und ich sie bald wieder treffen darf. Ob sie sich da endlich entscheiden wird?




"To all the Boys I`ve loved before" ist eine süße Geschichte über die Angst, sich richtig zu verlieben
und das Gefühlschaos, das durch diese Angst entstehen kann. Ich bin auf den zweiten Teil gespannt!