Mittwoch, 12. April 2017

[Rezension] Herr der Fliegen - William Golding

Titel: Herr der Fliegen
Autor:  William Golding
Genre: Roman
Bereits gelesene Bücher des Autoren: keins
Cover und Inhaltsangabe © Fischer



"Eine Gruppe englischer Schuljungen gerät infolge eines Flugzeugunfalls auf eine unbewohnte Insel im Pazifischen Ozean. Kein Erwachsener überlebt. Zunächst erscheint der Verlust zivilisatorischer Ordnungsprinzipien leicht zu bewältigen: auf der Insel gibt es Wasser, Früchte, sogar wilde Schweine, die erlegt werden können. Ralph läßt Hütten bauen, erkundet die Insel, richtet einen Wachdienst für das Signalfeuer ein. Der gute Anfang aber führt in eine Krise, die bald diabolische Formen annimmt. Aus der Jagd wird blutiges Schlachten - die Jäger und die Hüter des Feuers geraten in einen Kampf auf Leben und Tod. Die Gemeinschaft zerfällt, Terror und barbarische Primitivität gipfeln im Machtrausch, der auch Mord nicht ausschließt. Das Beängstigende an diesem Gleichnis menschlicher Gesellschaft ist die Tatsache, daß diese Jungen keineswegs Monstren oder Verbrecher sind. Jeder von ihnen ist in irgendeiner Jungenklasse der Welt zu finden."




"Herr der Fliegen" von William Golding war ein Buch, auf das wir bei der gemeinsamen Leserunde zu "Ich bin böse" von Ali Land gestoßen sind und das uns alle brennend interessiert hat! Also gab es spontan bei der lieben Nicole von Zeit für neue Genres eine weitere Leserunde zu diesem Klassiker.

Ich muss sagen, dass ich zu Beginn ein wenig angst hatte. Im Internet tummeln sich die Meinungen vieler frustrierter Schüler, die das Buch absolut langweilig und schwierig fanden, doch zum Glück war dies dann doch nicht der Fall. Der Einstieg in die Geschichte rund um die Schuljungen, die auf einer unbewohnten Insel landen, ist mir gut gelungen. Die ersten beiden Kapitel flogen förmlich dahin.

Danach zeigte sich allerdings der "kompliziertere" Schreibstil William Goldings. Teilweise wirr und ohne Kennzeichen in den Dialogen bekommen wir als Leser das Miteinander der Jugendlichen und Kinder mit, erfahren, wie sie versuchen zu überleben und gleichzeitig, wie sie aneinandergeraten. Dabei wird aber wenig wert auf die Ausarbeitung der einzelnen Charaktere gelegt, die Beschreibung des Insellebens steht hier eindeutig im Vordergrund.




- Ralph -

Zu Beginn lernen wir Ralph kennen, der auf einen dicken Jungen trifft und erst einmal realisieren muss, was geschehen ist. Sie finden ein Muschelhorn und blasen hinein und schnell kommen die restlichen Überlebenden des Flugzeugabsturzes zusammen und sie begreifen, dass keine Erwachsenen auf der Insel sind.

Ralph wird ziemlich schnell zum Anführer gewählt, demokratisch natürlich, doch er merkt schnell, dass es schwer ist, alles zu koordinieren. Zum Teil ist das Erlebnis auf der Insel für die Jungs ein großes Abenteuer, doch natürlich möchten sie auch gerettet werden.

- Piggy -

Piggy ist der besagte dicke Junge, der aber auf keinen Fall Piggy genannt werden wollte. Doch das interessiert niemanden, denn Piggy ist der typische Aussenseiter, ist aber sehr intelligent und behält oft den Durchblick, als die anderen Jungs nicht mehr weiter wissen.

Leider wird er in der Gruppe nicht direkt akzeptiert, sogar Ralph, dem er eigentlich vertraut, macht sich teilweise lustig über ihn. Er symbolisiert hier eine schwache Person, einen Menschen, der zwar versucht, gehört zu werden, aber keinen richtigen Anschluss findet.

Piggy war der Charakter, den ich in diesem Buch am meisten mochte. Er verliert sich nicht wie die anderen, ist kein Mitläufer und folgt seinen eigenen Auffassungen.

- Jack -

Jack ist das Gegenteil von Ralph. Er ist ein Abenteurer und wird mit seinen Chorjungen schnell zum Jäger. Während er anfangs noch Skrupel hat, ein Schwein zu töten, verliert er nach und nach die Hemmschwelle, denn hier geht es ja schließlich ums Überleben? Dabei passt er sich so sehr der neuen Umgebung an, dass es oft schein, als wollte er nicht gerettet werden.

Während Ralph von allen zum Anführer gewählt wurde, muss Jack um seine Macht erst einmal kämpfen. Er nutzt die Ängste der anderen und für mich symbolisierte er hier einen Diktator.




"Herr der Fliegen" von William Golding beginnt direkt nach dem Flugzeugabsturz und wir finden uns zusammen mit einem Haufen englischer Schuljungen auf einer einsamen Insel wieder. Schnell finden sich die Kinder und Jugendlichen zusammen und überlegen, wie sie überleben können. Auf der Insel befinden sich ausreichend Früchte und es gibt Schweine. Sie bauen sich Hütten, versuchen aber gleichzeitig, stets mit einem Feuer auf sich aufmerksam zu machen.

Schnell bilden sich zwei Lager. Zum einen ist da Ralph, der Piggy an seiner Seite hat und deswegen immer wieder zur Vernunft kommt und Jack nicht blind folgt, doch dann ist da Jack mit seiner Jägergruppe, die immer mehr zu Wilden werden.

Auf der Insel sind auch kleine Kinder, die urplötzlich von einem Monster reden. Einer Art Schlange, ein Ungetüm, das durch den Dschungel streift. Ist es die Angst der Jungen oder sind sie auf der Insel wirklich nicht allein?

William Goldings Roman "Herr der Fliegen" ist ein Buch, das von der Botschaft her echt unter die Haut geht, es ist eine Geschichte, die man begreifen muss und sie sich auch wieder aktuell auf unser Leben übertragen lässt. Auf der Insel entwickelt sich schnell eine Gruppendynamik, es gibt die Starken und die Schwachen, die Mitläufer und die Rebellen. Vor Augen halten muss man sich hier, dass dies alles Kinder sind.

Besonders das Ende des Buches hat mir so einige Gänsehaut-Momente verursacht. Besonders eine Szene fand ich besonders schlimm, die wohl alle Leser aufwühlen wird. Das Buch beschreibt die Ungerechtigkeit des Lebens, die Sinnlosigkeit des Krieges und den Wahn, den die Menschheit in den letzten Jahrhunderten öfters verfallen sind ...




Ein toller Klassiker, der zum Nachdenken anregt und uns wieder einmal zeigt, in welch einer Gesellschaft wir leben. Damals wie heute hat sich wenig verändert und deswegen ist "Herr der
Fliegen" noch immer aktuell. Der leicht wirre Schreibstil sollte nicht abschrecken, denn hier verbirgt sich wahrlich ein kluges Buch mit Gänsehaut-Momenten!

Weitere Meinungen zum Buch:
Zeit für neue Genres (3 von 5)


Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Ich habe den Roman auch vor ein paar Jahren gelesen und beendete ihn mit einem mittelmäßigen Gefühl. Ich konnte mit dem Schreibstil gar nichts anfangen. Vieles wirkte wie ein Übersetzungsfehler. Mir fehlte auch ein bisschen die Tiefe der Charaktere und ihre Hintergründe, z.B. was für ein Krieg es war, was die Jungs in ihrer Vergangenheit für ein Leben führten und so weiter. Andererseits hat mich das Buch, vor allem gegen Ende, ziemlich mitgerissen.
    Schön, dass es dir gefallen hat :)

    Liebe Grüße,

    http://lesenundgrossetaten.blogspot.de/

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    1. Hi Erina :D

      Ich weiß, was du meinst, der Schreibstil war auch mein großer Kritikpunkt, der Autor hat zwar die ganze Insel da super gut beschrieben, aber leider seine Charaktere kaum. Das ist echt etwas schade! ;(

      Liebe Grüße
      Jessi

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  3. Hallo Jessi,

    oh ja, da sind wir einer Meinung! Vom Schreibstil und Aufbau her konnte mich das Buch überhaupt nicht überzeugen, dafür ist es dank des Inhalts ein absolutes Must-Read.

    Danke für's Verlinken!

    Liebe Grüße & eine großartige Woche,
    Nicole

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  4. Hallo Jessi,
    das Buch steht schon länger auf meiner Sollte-ich-endlich-lesen-Liste, doch zur Leserunde bei Nicole habe ich es leider zeitlich nicht geschafft. Dafür habe ich eure Beiträge verfolgt und mit deinem Rezi-Link hat es mich auf deinen Blog geweht. Sie leuchtet alles sehr gut aus und meine Neugier auf das Buch bleibt bestehen. Ich hoffe sehr, dass ich schon bald herausfinden werde, wie das Geschehen, der Stil und die Charaktere auf mich wirken.
    Liebe Grüße, Hibi

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