Mittwoch, 10. August 2016

[Rezension] Schattwald - Barbara Dribbusch

Titel: Schattwald
Autor: Barbara Dribbusch
Genre: Roman
Verlag: Piper
Cover und Inhaltsangabe ©  Piper

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!



"Als Anne Südhausen nach Innsbruck reist, um den Nachlass ihrer verstorbenen Großmutter Charlotte zu regeln, macht sie eine Entdeckung: Tagebücher aus dem Zweiten Weltkrieg, die von Charlottes Zeit im Nervensanatorium Schattwald erzählen – einem Ort, an dem schreckliche Dinge geschahen, die das Leben der Großmutter für immer veränderten. Auch in der Gegenwart passiert Unerwartetes: Ein außergewöhnlicher Mann tritt in Annes Leben, einige Personen entwickeln plötzlich großes Interesse an den Tagebüchern und Anne gerät immer mehr in Gefahr ..."




Auf dieses Buch habe ich mich schon lange gefreut, da ich die Geschichte rund um Heilanstalten und Psychiatrien unendlich spannend und faszinierend finde. Ich habe eine düstere Geschichte über ein dunkles Kapitel unserer Zeit samt Einblicke in die Nervenheilanstalten der 40er Jahre erwartet, doch ich muss hier gleich zu Beginn sagen, dass mich das Buch leider enttäuscht hat!

Dem Buch ist anzumerken, dass es sich hier um ein Debüt handelt. Obwohl in der Biografie der Autorin steht, dass sie zwei Jahre für dieses Buch recherchiert hat, ist davon doch recht wenig zu merken. Sie kratzt kontinuierlich an der Oberfläche und die geschichtlichen Fakten ähneln doch dem Wissen aus der Schulzeit. Besonders über die Zeit des Krieges hätte ich mir mehr Informationen gewünscht. Das Gefühl der Zeit kam bei mir leider nicht an.

"Schattwald" ist nicht schlecht geschrieben. Es ließ sich gut und flüssig lesen, auch wenn es einige typische Anfängerfehler gab. Sei es, dass aus 1943 plötzlich 1994 gemacht wurde, oder dass sie dem Lesern die Fragen, die er sich selbst stellen soll, ständig vorgibt. Zwar ist die Geschichte stellenweise recht mysteriös gehalten, doch fesseln konnte sie mich nur bedingt.




- Anne - 

Leider blieben auch die Charaktere für mich sehr blass. Anne ist Mitte 40, wurde gerade von ihrem Mann verlassen und muss sich nun um den Nachlass ihrer verstorbenen Großmutter kümmern. Ja, der Plot ist nicht neu, aber ich habe hier tatsächlich mich mehr Emotionen gerechnet. Leider konnte ich werde Annes Geschichte, noch die ihrer Großmutter so richtig verstehen!

- Charlotte -

Auf die Sichtweise der Vergangenheit habe ich mich gefreut, doch auch hier wurde ich enttäuscht. Charlottes Geschichte könnte eigentlich voller Gefühl sein. Ist sie aber nicht. Auch, dass sie die Zeit in Schattwald als "Abenteuer" bezeichnet, kann ich so nicht unterschreiben. Im Krieg haben andere Menschen viel schlimmere Dinge erlebt.




Das Buch zu bewerten, fällt mir schwer. Ich habe es mit lieben Bloggerkolleginnen während einer Leserunde gelesen und der Austausch hat mir großen Spaß gemacht. Es hat sich jedoch schnell herauskristallisiert, dass uns allen eine gewisse Tiefe gefehlt hat. Mein Kopfkino wollte schon zu Beginn der Geschichte nicht einsetzen und leider hat es sich durch das ganze Buch gezogen. Streckenweise fand ich es zwar interessant, aber auch vorhersehbar.

Ich habe nach dem Lesen des Klappentextes eine düstere Geschichte erwartet, mit einem spannenden und informativen Einblick in ein Sanatorium zu Kriegszeiten. Leider lief doch alles sehr harmlos ab. Die Geheimnisse, die letztendlich offenbart wurde, sind mit einem echten "Abenteuer" oder mit echter Gefahr nicht gleichzusetzen. Apropos Gefahr, diese ist im ganzen Buch leider nicht zu spüren.

Die Recherchezeit von zwei Jahren war für mich nicht spürbar. Sie ließen sich höchstens damit erklären, dass sich die Autorin seitenweise über das knappe Essen während des Krieges oder aber die Musikauswahl ausgelassen hat. Hier hätte ich mir mehr Fakten über das Leben in einem Sanatorium gewünscht oder aber den Umgang mit psychisch kranken Menschen. Hätte es sich bei diesem Buch nicht um ein Rezensionsexemplar gehalten, hätte ich es wohl abgebrochen.

Ich werde hier bei der Bewertung nicht zu hart sein, da ich weiß, dass ein Debüt immer das schwerste Buch ist. "Schattwald" ist trotz meiner zahlreichen Kritikpunkte doch eine nette Geschichte für Zwischendurch und wenn man mit dieser Erwartung herangeht, wird man nicht enttäuscht werden. Es liest sich einfach und schnell, hat jedoch, wie gesagt, eine zu harmlose Geschichte, die man als Leser wohl schnell wieder vergisst. Leider habe ich aus diesem Buch auch nichts mitgenommen, ich bin aber gespannt, wie sich die Autorin in Zukunft entwickeln wird!




"Schattwald" von Barbara Dribbusch war für mich eine nette Geschichte, die sich stellenweise gezogen hat und leider kaum Tiefgang besaß. Aufgrund der Tatsache, dass es sich hier um ein Debüt handelt, werde ich liebgemeinte 3 von 5 Käseratten geben!

Ich vergebe 3 von 5 Käseratten.



Kommentare:

  1. Guten Morgen Jessi!

    Danke für die Warnung muss ich ja fast schon sagen ...
    Inhaltsbeschreibung und Cover haben auch mir ganz andere Erwartungen beschert. Genau das, was du im Buch vermisst, hätte ich mir bei dem Titel nämlich auch gewünscht. Ein must read bleibt es wohl damit nicht mehr für mich. Auf jeden Fall würde ich nun bei der Lektüre ganz anderes an das Buch herangehen. Mal schauen ...

    Beste Lesegrüße
    FiktiveWelten

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    1. Hallo :D

      ich bin auch mit anderen Erwartungen an das Buch gegangen. Besonders der Einblick in die Heilanstalt war mir wichtig, aber es kam einfach keinerlei Gefühl über das Patientenleben rüber. Leider, ich hatte mich echt riesig auf das Buch gefreut, aber Geschmäcker sind wohl auch verschieden. Vielleicht will der Standartleser von heute gar keine tiefgründigen und gut recherchierten Bücher mehr, sondern nur noch leichte Kost!

      Liebe Grüße
      Jessi

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    2. Zu der Gruppe von Lesern gehöre ich dann definitiv nicht, bin ohnehin nicht so der Mainstream-Typ. ;o)
      Vor allem zur Thematik 2. WK und Co. erwarte ich dann schon etwas mehr Tiefe und nicht nur seichte Unterhaltung.
      Aber klaro, über Geschmack lässt sich schlussendlich nicht streiten. Einige mögen es so, andere so.

      Viele Grüße
      FiktiveWelten

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    3. Ich bin auch nicht so der Mainstream-Typ, hab aber eben gesehen, dass das Buch bis jetzt fast nur positive Rezensionen hat. Also es ist ja auch eher, wie du schon sagtest, Geschmackssache.

      Über den zweiten Weltkrieg lese ich an und für sich auch gerne. Ich mag es, wenn da das Gefühl des Krieges rüberkommt und man sich wie in die Zeit versetzt fühlt. Leider war das hier nicht der Fall ;(

      Liebe Grüße <3

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  2. Hallo Jessi,

    sehr schön rezensiert! Ich habe heute erst deine Rezension gelesen, damit ich meine Meinung frei von anderen schreiben wollte. Die Charaktere haben mir schon gefallen, aber das ganze Drumherum trifft auch meiner Ansicht nach zu. Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen!

    Liebe Grüße,
    Nicole

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