Montag, 28. September 2015

[Rezension] Trügerische Nähe - Susanne Kliem

Titel: Trügerische Nähe
Autor: Susanne Kliem
Verlag: carl`s books
Genre: Kriminalroman, Roman
Seitenzahl: 352
ISBN: 978-3570585504 
Cover und Inhaltsangabe © carl`s books





„In einem Dorf vor den Toren Berlins erfüllen sich zwei Paare Mitte vierzig ihren Traum: Sie ziehen auf einen stilvoll renovierten Hof und freuen sich auf ein beschauliches, naturnahes Landleben. Die beiden Männer kennen sich aus Studienzeiten, auch ihre Partnerinnen Marlis und Nora verstehen sich gut. Als ganz unerwartet Livia, Marlis’ attraktive Tochter aus erster Ehe, auftaucht, setzt sie eine gefährliche Dynamik in Gang. Die junge Frau wirkt verzweifelt, scheint in etwas verstrickt, über das sie nicht sprechen möchte. Alle sorgen sich um sie. Doch Livia verfolgt ihre ganz eigenen abgründigen Interessen und spielt die Bewohner gnadenlos gegeneinander aus. In kürzester Zeit verwandelt sich der idyllische Hof in einen beklemmenden Ort: Eifersucht, Neid und Verdächtigungen vergiften alle Beziehungen und enden in erbitterter Feindschaft. Dann wird auf einer Waldlichtung eine Leiche gefunden. Und allen ist klar, dass der Täter nur einer von ihnen sein kann … “




Von Susanne Kliem habe ich im Vorfeld noch gar nichts gehört, umso gespannter war ich auf ihren Schreibstil, denn Elisabeth Hermann sagt über das Buch, dass es ein „meisterhaftes Psychodrama“ ist und jetzt, nach dem Lesen, kann ich dieser Aussage voll und ganz zustimmen. Susanne Kliems Stil ist geradlinig und besticht besonders durch ihre Charaktertiefe, die lebhaften, emotionalen Dialoge und das Miteinander der agierenden Personen. Nach nur wenigen Seiten war ich in diesem Buch gefangen und habe mich gefühlt, als würde ich selbst mit auf den Hof gezogen sein. Alle Gefühle wie Hass, Neid, Eifersucht, Verlangen und Einsamkeit waren auch bei mir zu spüren. So muss ein gutes, mitreißendes Buch sein!




Die Tiefe der einzelnen Charaktere und die Darstellung der jeweiligen Probleme machen dieses Buch zu etwas ganz Besonderem. Es gibt kaum einen Charakter, der blass bleibt. Ja, selbst die Nebencharaktere werden perfekt ausgearbeitet, sodass ich das Gefühl hatte, alle Personen in diesem Buch näher kennenlernen zu dürfen.

Wie der Klappentext vermuten lässt, geht es in erster Linie um die zwei Paare, die auf einem einsamen Hof ziehen, um dort zusammen zu leben. Zum einen ist da Nora, die nicht mehr arbeiten kann und nun auf dem Land die Ruhe sucht. Die Ehe zu ihrem Mann Alexander funktioniert nicht mehr richtig und beide versuchen sie krampfhaft zu retten.

Alexander ist der Analytiker. Er scheint alles zu durchschauen, sich einfach zurückzulehnen und zu beobachten, aber dennoch hat er so seine schwachen Momente. Seine Überheblichkeit und seine Selbstverliebtheit stehen ihm im Grunde selbst im Weg.

Das andere Paar besteht aus der toughen Marlis, die sich selbst einzureden versucht, dass ihr Leben perfekt ist. Die Beziehung zu ihrem Mann Johannes ist auch alles andere als rosig, aber das will sie sich natürlich nicht eingestehen.

Johannes und Alex waren alte Studienfreunde, aber auch bei ihnen sind Spannungen zu merken. Ist da Eifersucht im Spiel? Oder steckt da wirklich mehr dahinter?

Als Marlis Tochter Livia an den Hof kommt, werden alte Wunden aufgerissen und neue zugefügt. Livia ist wie ein Parasit, der sich auf dem Hof einnistet und Schaden anrichten will. Was hat sie vor? Und warum ist sie nicht mehr auf der Schauspielschule?

Ich fand Livia einen sehr interessanten Charakter. Sie ist ein Mädchen, das ihren Weg noch nicht gefunden hat. Sie kennt sich im Grunde selbst nicht und steht zwischen Lügen und Wahrheiten, ohne selbst zu begreifen, wie riskant ihr Leben auf diese Weise ist.




Obwohl der Titel „Trügerische Nähe“ eher schwach wirkt, verbirgt sich im Inneren des Buches doch ein wahrer Schatz. Als Leser werden wir in die Welt von zwei Paaren eingeführt, die zusammenleben wollen, aber nicht recht wissen, auf was sie sich da eingelassen haben. Sie versuchen zu retten, was noch zu retten ist, aber als dann Livia zu ihren stößt, werden sie an ihre Grenzen gebracht.

Livia ist optisch die reinste Perfektion, aber wie sieht es mit ihrem Inneren aus? Ist ihr schönes Aussehen vielleicht nur Fassade? Wie zuvor erwähnt mochte ich sie sehr, denn sie nimmt die Rolle des Parasiten ein, der plötzlich auf dem Hof auftaucht und metaphorisch betrachtet in die Gedanken der vier mehr oder weniger zerbrochenen Menschen eindringt. Sie will zerstören, vielleicht weil sie selbst nicht das Gefühl hat, komplett zu sein. Ein schönes Aussehen ist schließlich noch lange nicht alles, vor allem wenn man Schauspielerin werden möchte!

Spannend wird das Buch durch das ganze Miteinander der Personen. Es wird schnell klar, dass auf dem neuen Hof nichts perfekt ist, auch wenn alle krampfhaft versuchen, dies nach außen zu zeigen. Es kommt zu Eskalationen, was vor allem daran liegt, dass Livia plötzlich allen Männern den Kopf verdreht. Angefangen mit Lukas, dem Sohn von Nora, hin zu Alexander und Johannes. Für sie scheint es ein Spiel zu sein, ohne das ihr bewusst ist, was sie anrichtet.

Ich habe das Buch innerhalb weniger Tage gelesen und musste auch zwischen dem Lesen immer wieder an die Geschichte denken, was bei mir wirklich nur bei guten Büchern passiert. Besonders mitfühlen konnte ich mit Nora, die sich sehr allein fühlt und damit umgehen muss, dass ihr Mann ihr einfach nicht treu sein kann. An manchen Stellen habe ich Alexander mit seiner überheblichen Art wirklich abgrundtief gehasst.

Einen Kriminalroman würde ich das Buch eher nicht nennen. Es ist wie Elisabeth Hermann so schön gesagt hat, ein Psychodrama auf höchstem Niveau. Erst zum Ende hin, kommt es zu einem kleinen Kriminalfall, der aber schnell gelöst und auch recht vorhersehbar ist. Ich bin mir ein wenig unschlüssig, ob das Ende wirklich zu der restlichen Geschichte passt, denn es wirkt teilweise zu hektisch und fast schon ein wenig zusammengewürfelt. Die Stärke der ersten 300 Seiten wurden deswegen ein wenig abgeschwächt, aber ich muss trotzdem sagen, dass mich die ganze Geschichte trotzdem voll und ganz überzeugt hat!




Ein Psychodrama auf höchstem Niveau! Ich konnte bei dem Buch gar nicht mehr aufhören zu lesen und war voll und ganz in der Geschichte gefangen! Mehr davon!

Ich vergebe 5 von 5 Käseratten.

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