Sonntag, 28. Juni 2015

[Rezension] Die Flügel, mein Engel, zerreiß ich dir - Karine Giebel


Titel: Die Flügel, mein Engel, zerreiß ich dir
Originaltitel: Juste une ombre
Autor: Karine Giebel
Verlag: Bloomsbury
Genre: Thriller, Psychothriller
Seitenzahl: 480
ISBN: 978-3827012449




„Sie ist stark. Sie hat Erfolg. Bis eines Tages ein Schatten hinter ihr auftaucht. Und nichts ist mehr, wie es war ... »Ein meisterhafter Thriller, der die Nerven seiner Heldin und die der Leser zum Zerreißen spannt.« Maxi Cloé hat es geschafft: In ihrer Werbeagentur steht ihr der Chefposten in Aussicht, die Beziehung mit dem charmanten Bertrand läuft bestens und sie genießt ihr Pariser Leben in vollen Zügen. Doch als sie eines Abends auf dem Nachhauseweg verfolgt wird, setzt sich die Angst in ihrem Leben fest. Wer ist diese schattenhafte Gestalt, die ihr nun immer wieder nachstellt und ihr Leben in seinen Grundfesten zu erschüttern droht? Ihr gewalttätiger Ex-Mann? Ihr Kollege aus der Agentur, der mit ihr um den Chefposten konkurriert? Oder gar Bertrand, der immer gerade dann nicht da ist, wenn der Schatten auftaucht? Oder hat ihr Umfeld recht und sie bildet sich alles nur ein?. Ihre letzte Hoffnung ist Hauptkommissar Alexandre Gomez, der sich - wenn auch nicht auf offiziellem Dienstwege - auf die Spur des Schattens macht. Eine Suche, die auch für ihn lebensgefährlich wird..."




Die französische Autorin Karine Giebel setzt bei ihrem Schreibstil vor allem auf Metaphern und auf eine stets vorhandene, aber dennoch ruhige Spannung. „Die Flügel, mein Engel, zerreiß ich dir“ ist ein Thriller oder besser ein Psychothriller, der es wirklich in sich hat. Gekonnt lässt die Autorin die Grenze zwischen Realität und Einbildung verschwimmen, so sehr, dass ich mich sogar als Leser gefragt habe, was denn nun echt und was nur Fiktion ist. Karine Giebel spielt gekonnt mit der Psyche ihrer Charaktere, verletzt sie und zeigt eine überaus verletzliche Seite an ihnen. Ihr gesamter Stil hat mir ausgesprochen gut gefallen, auch wenn ich hier gleich zugeben muss, dass er auch zu einigen Längen geführt hat.




Ich muss gleich sagen, dass es in diesem Buch kaum einen „normalen“ Menschen gibt. Sie alle haben ihre Laster, Schwächen, ja sogar ihre bösen Seiten und genau dieser Fakt macht das Buch zu etwas ganz Besonderem. Als Leser habe ich zu niemanden wirklich Sympathie aufgebaut, aber das hat mir bei diesem Buch dieses Mal recht gut gefallen. Chloé, unsere Protagonistin beispielsweise verdient meiner Meinung nach kaum Mitleid. Klar, ihr ganzes Leben gerät aus den Fugen, aber sie ist bei weitem kein Engel! Nein, sie ist sehr herrisch, reißt sowohl beruflich, als auch privat alles an sich und versteht es, die Menschen zu manipulieren. Ich fand es sehr interessant, dass die Autorin sich für einen solchen Hauptcharakter entschieden hat. Ich persönlich habe nämlich an einigen Stellen einen richtigen Hass ihr gegenüber gespürt und manchmal dachte ich sogar, dass sie das alles, was ihr passiert, wirklich verdient hat. Manche Autoren versuchen krampfhaft, ihre Charaktere für die Leser so sympathisch und so normal wie möglich zu machen. Karine Giebel hat das nicht nötig. Sie lässt ihre Charaktere so sein wie sie sind und diese Tatsache hebt diesen Thriller von anderen Werken dieses Genres ab!

Chloés Gegenpol stellt Hauptkommissar Gomez dar. Wir lernen ihn während einer sehr schweren Phase seines Lebens kennen, denn seine Frau liegt im Sterben. Am Anfang war ich etwas verwundert, denn seine Abschnitte und die Abschnitte von Chloé liefen sehr lange parallel ab ohne sich zu treffen, doch ich denke, die Autorin wollte damit Gomez Verletzlichkeit zeigen und ihn dem Leser nahe bringen.  Alexander Gomez war mir auf jeden Fall rein charakterlich lieber als Chloé, aber auch er hat seine  Schattenseiten.




Allein den Titel „Die Flügel mein Engel zerreiß ich dir“ finde ich einmalig und wirklich treffend. Das Buch beginnt auch überaus spannend und erzählt abwechselnd von Chloé und dem Kommissar Alexander Gomez. Wir tauchen sehr tief in die Geschichte ein und haben nach einer Weile das Gefühl, alle Personen wirklich zu kennen. Auch Chloé wird dabei von allen Seiten beleuchtet und auch ihre negativen Eigenarten kommen so zum Vorschein. Sie ist besonders auf der Arbeit sehr manipulativ und auch sonst behält sie gerne die Kontrolle. Als sie dann plötzlich denkt, verfolgt zu werden, beginnt das Chaos ihres Lebens. Bildet sie sich alles nur ein? Oder gibt es den Schatten, der plötzlich in ihr Leben gedrungen ist, tatsächlich?

Ich muss sagen, dass sich das Buch für mich an einigen Stellen zwar in die Länge gezogen hat, aber zu keinem Zeitpunkt wirklich an Spannung verloren hat. Wir dringen tief in Chloés Leben und sehen uns selbst mit der Frage konfrontiert, ob das alles Einbildung ist oder ob es jemand tatsächlich auf Chloé abgesehen hat. Da sich die Autorin für eine recht schwierige Protagonistin entschieden hat, können wir ganz unvoreingenommen urteilen, denn Chloé ist niemand mit dem man wirklich mitfiebert. Nein, die Autorin schafft die nötige Distanz und eigentlich sollte das Urteilen so leicht sein. Eigentlich....

Während des Buches kommen viele Motive und auch Tatverdächtige in Frage. Zum einen ist da Chloés Freund Bertrand, der selbst auch eine dunkle Seite zu haben scheint. Zum anderen ist da aber auch Chloes Exfreund oder ihr Kollege von der Arbeit mit dem sie um den Chefposten konkurriert. Hinzu kommt dann die Frage, ob das alles überhaupt echt ist und ob es diesen ominösen Angreifer tatsächlich gibt. Die Autorin rückt immer mal wieder neue Tatverdächtige in den Fokus und das macht die Sache auch wirklich interessant, aber oft werden die gleichen Vermutungen öfters angestellt. Wie zuvor erwähnt, dies hat leider für ein paar Längen gesorgt, die zwar die Spannung nicht drosseln konnten, aber die dennoch für ein wenig Frust gesorgt haben. Auch Chloés absolut unmögliches Verhalten hat dafür gesorgt, dass ich als Leser an manchen Stellen wirklich Wut empfunden habe. Solche Menschen, die ihre Macht ausnutzen, kann ich auf den Tod nicht ausstehen, aber davon gibt es auf dieser Welt leider viel zu viele!

Das Ende ist dann aber wieder sehr überraschend und es gibt einige Wendungen, die man so nicht erwarten kann!!! Auch die Wahl des Täters ist logisch und dennoch sehr überraschend. Etwas seltsam fand ich zwar, dass der Täter schon gut 100 Seiten vor dem Ende offenbart wurde, aber letztendlich hat sich auch hier gezeigt, dass die Autorin noch einige Trümpfe in der Hand hat. Das Ende ist bitterböse und war ganz nach meinem Geschmack!!




Ein Psychothriller, der diese Bezeichnung auf jeden Fall verdient. „Die Flügel, mein Engel, zerreiß ich dir“ ist ein Buch, das besonders durch seine Überraschungen und Wendungen überzeugen kann, aufgrund einer sehr schwierigen Protagonistin und einen eher außergewöhnlichem Stil aber wohl nicht jedem Leser gefallen wird! Probiert es einfach aus!

                                                     Ich vergebe 4 von 5 Käseratten.

Kommentare:

  1. Okay - MUSS ich haben! Danke für die Vorstellung!

    Grüßchen - Lenchen

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  2. Huhu Jessi,

    ich bin gerade sowieso auf der Suche nach ein paar guten Thrillern. Zwischen den ganzen Dystopien und Jugendromanen brauch nich immer wieder mal was mit richtig Spannung. Kommt direkt auf meine WuLi!

    Liebe Grüße vom Lesemonsterchen Dani

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  3. Ich kann dir nur zustimmen, ich habe diesen außergewöhnlichen Thriller auch schon gelesen und war genauso begeistert wie du. Tolle Rezi <3

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