Montag, 24. April 2017

[Rezension] Am dunklen Fluss - Anna Romer

Titel: Am dunklen Fluss
Autor:  Anna Romer
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 20. März 2017
Anzahl der Seiten: 480
Bereits gelesene Bücher der Autorin: keins
Cover und Inhaltsangabe © Goldmann




"Ruby Cardel war zwölf, als ihre Schwester Jamie nahe der elterlichen Farm in den Tod stürzte. Ein traumatisches Erlebnis, von dem sie sich nie vollständig erholte und das ihre Erinnerung an das ganze folgende Jahr auslöschte. Dennoch scheint es, dass sie nun endlich ihr Glück an der Seite eines erfolgreichen Autors gefunden hat, mit dem sie in einem kleinen australischen Küstenort lebt. Doch als sie zum ersten Mal seit Kindertagen wieder nach Lyrebird Hill zurückkehrt, drängen plötzlich lang verschüttete Bilder in ihr Bewusstsein. Stück für Stück setzt Ruby die Puzzleteile der Ereignisse um Jamies Tod zusammen. Und die Wahrheit, die nun ans Licht kommt, birgt ein tödliches Geheimnis …"




"Am dunklen Fluss" war mein erstes Buch von Anna Romer. "Das Rosenholzzimmer" von ihr steht schon länger auf meiner Wunschliste, auch wenn ich dazu eher gemischte Meinungen gehört habe. Das neue Buch von Anna Romer hat mich daher ein wenig mehr gereizt, vor allem aber auch, da es schon fast wie ein Thriller klang. Ich dachte, im Fokus steht hier die Geschichte einer Frau, die nach und nach herausfindet, was mit ihrer Schwester passiert ist. Im Grunde ist "Am dunklen Fluss" aber eher eine "Familiengeheimnis"- Geschichte, der etwas anderen Art.

Zum Schreibtil muss ich leider sagen, dass ich sehr große Probleme hatte, in die Geschichte hineinzufinden. Auch wenn Anna Romer eigentlich einen angenehm flüssigen Schreibstil hat, so muss ich doch sagen, dass er mir teilweise zu ruhig und geradlinig war. Mein Kopfkino hat eigentlich erst im letzten Drittel eingesetzt und leider gab es einige Momente, wo ich mir selbst die Frage gestellt habe, ob ich das Buch überhaupt noch weiterlesen möchte. Für mich hätte die Geschichte an einigen Stellen flotter erzählt werden müssen, ich habe mich selten animiert gefühlt, weiterzulesen ...


Charaktere

- Ruby -

Ruby hat viele Jahre geglaubt, bei dem Tod ihrer Schwester hätte es sich um einen Unfall gehalten, doch plötzlich gibt es Andeutungen, dass damals viel mehr dahintersteckt haben muss. Sie reist nach Lyrebird Hall, um dort nach Antworten zu suchen und nach und nach kommt sie der Wahrheit auf die Spur und "löst" nebenbei noch ein altes Familiengeheimnis ...

Puhh, Rubys Geschichte fängt mit einem kleinen Beziehungsdrama an und wir lernen erst einmal eine recht charakterschwache Ruby kennen, die recht viel wegsteckt und mit sich machen lässt. Diese Ruby entwickelt sich im Lauf der Geschichte allerdings noch, konnte bei mir beim Lesen aber keinerlei Gefühl der Nähe erzeugen. Bei ihr hatte ich dauernd eine Barriere, es war, als würde ich die ganze Suche mit all den Rückblicken nur aus der Ferne beobachten!

- Brenna -

Der Erzählstrang aus dem Jahr 1898 behandelt die Geschichte einer jungen Frau, die eigentlich nur glücklich sein möchte, aber in eine Ehe gerät, die ihr ganzes Leben verändern soll ... Mehr kann ich an dieser Stelle erst einmal von der Story nicht verraten, aber Brenna war eine der wenigen Personen in "Am dunklen Fluss", die mich zum mitfiebern animieren konnten. Ihre Geschichte ist sehr tragisch und ich muss sagen, dass die Autorin in der Sicht der Vergangenheit viel mehr Herzblut in das gesamte Geschehen gepackt hat. Allerdings konnte mich auch hier der Schreibstil nicht direkt fesseln ...




"Am dunklen Fluss" von Anna Romer war mal wieder so ein Buch, mit dem ich von Anfang an so meine Probleme hatte. Im Vorfeld habe ich nach einer spannenden Geschichte gerechnet, die sich auf die Geschichte von Ruby und ihrer Schwester konzentriert. In Wahrheit erzählt dieses Buch aber drei Geschichten: Die von der verloren Ruby in der Gegenwart, die von ihr als Kind in dem Jahr, als ihre Schwester starb und die Geschichte eines Mädchens/einer Frau namens Brenna aus dem Jahr 1898.

Diesen Vergangenheitsstrang fand ich am Stärksten, auch wenn es mir hier schlicht und ergreifend an Spannung gefehlt hat. Das ganze Buch ist sehr ruhig und deswegen fiel es mir oft sehr schwer, am Ball zu bleiben. Schon zu Beginn hatte ich das Gefühl, nur an der Oberfläche zu schwimmen und das Geschehen nur aus der Ferne zu beobachten. Mittlerweile weiß ich, dass dies meistens ein schlechtes Zeichen bei Büchern ist, aber dennoch habe ich versucht, noch durchzuhalten.

Die Geschichte rund um Brenna beginnt in Australien, was ich sehr interessant fand. Es gibt Einblicke in die Ureinwohner Australiens, die Aborigines, doch aus diesem Umfeld wird Brenna schnell gerissen, als sie gezwungenermaßen einen Mann heiraten muss. Lange Zeit habe ich mich gefragt, wie dieser Handlungsstrang in das Gesamtbild hineinpasst, muss aber sagen, dass ich am Ende etwas enttäuscht war, dass es nur wenige Parallelen zur Gegenwart gab. Leider hatte dies für mich den fahlen Beigeschmack, dass die eigentliche Geschichte irgendwie gestreckt werden muss.

Schade ist auch hier, dass der Vergangenheitsstrang, der nur wenig mit Rubys Geschichte zu tun, nur einen minimalen Einfluss auf das Geschehen nimmt. Zwar gibt es ein kleines Geheimnis, das auch etwas überraschend konnte, aber es fehlte mir der "Wow-Effekt". Das Ende ist aber definitiv der stärkere Teil in diesem Buch, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass die Autorin etwas Tempo gewinnt. Leider aber fehlt es der Geschichte schlicht und ergreifend an Elan und die Aufdeckung der "Geheimnisse" konnten bei mir nicht die erwünschte Wirkung erzielen. Schade, ich denke aber, dass mir der Schreibstil dieser Autorin einfach nicht liegt!




"Am dunklen Fluss" ist ein sehr ruhiger Roman, der mich leider nicht mit auf die Reise nach
Australien nehmen konnte. Die Geschichte hat einige interessante Wendungen, war mir im Gesamtbild aber zu vorhersehbar und die Parallelen zwischen Vergangenheit und Gegenwart waren mir zu schwach ausgearbeitet! Echt schade! Von mir würde es 2,5 geben, ich runde aber auf 3 auf!

Weitere Meinungen zum Buch:
Papier und Tintenwelten (5 von 5)

Samstag, 22. April 2017

[Rezension] Wenn du dich traust - Kira Gembri

Titel: Wenn du dich traust
Autor:  Kira Gembri
Genre: Roman
Bereits gelesene Bücher der Autorin: keins
Cover und Inhaltsangabe © Arena




"Lea zählt - ihre Schritte, die Erbsen auf ihrem Teller, die Blätter des Gummibaums. Sie ist zwanghaft ordentlich und meistert ihren Alltag mit Hilfe von Listen und Zahlen. Jay dagegen lebt das Chaos, tanzt auf jeder Party und hat mit festen Beziehungen absolut nichts am Hut. Niemals würde er freiwillig mit einem Mädchen zusammenziehen, schon gar nicht mit einem, das ihn so auf die Palme bringt wie Lea. Und Lea käme nie auf die Idee, mit Jungs zusammen zwischen Pizzakartons und Schmutzwäsche zu hausen. Sonnenklar, dass es zwischen den beiden heftig kracht, als sie aus der Not heraus eine WG gründen."




Hach ja, lange ist es her, dass ich zum letzten Mal einen guten Liebesroman gelesen habe. Für die Feiertage habe ich mir aber direkt einen ausgesucht, um einfach mal abzuschalten und einer witzigen und süßen Geschichte zu folgen, die kein großes Nachdenken erfordert.

"Wenn du dich traust" von Kira Gembri ist eine typische "Bad Boy"-Geschichte, die mich vom Aufbau an "Kirschroter Sommer" und "Türkisgrüner Winter" erinnert hat. Abwechselns erfahren wir das Geschehen aus der Sicht von Jay, dem Bad Boy und Lea dem zerbrochenen Mädchen mit Zwangsstörung!

Die Autorin hat hier wirklich eine zuckersüße Geschichte verfasst, die komplett ohne Kitsch daherkommt und mich gut unterhalten konnte! Ihr Schreibstil ist lockerleicht und jugendlich, doch sie scheut sich auch nicht, die Probleme ihrer Protagonisten anzusprechen. Leas Sicht mit den Zwangsstörungen wir sehr sensibel angepackt, während Jay eher der Bad Boy mit der harten Schale und dem weichen Kern ist.




- Lea -

Lea konnte ich sofort in mein Herz schließen. Sie ist gefangen in ihrer Zwangsstörung. Sie zählt alles und hat ein abendliches Ritual, bei dem sie den Herd und sämtliche Steckdosen kontrolliert. Irgendwas scheint ihr Angst zu machen und sie kann sich davon nicht befreien. Als zuhause etwas passiert, sieht sie ein, dass sie nicht mehr bei ihren Eltern wohnen kann. Sie ist eine Gefahr für sich und andere und lässt sich einweisen. 

In der Psychiatrie fühlt sie sich allerdings auch nicht sonderlich wohl. Als sie Jay, einen Typen, der dort Sozialstunden ableisten muss, trifft, nutzt sie die Chance und "erpresst" ihn. Sie will einfach nur raus und anfangen zu leben - doch das erweist sich als schwieriger als gedacht, als sie in seiner Bruchbude ankommt, die er auch noch mit anderen Jungs teilt ...

Lea ist eine interessante Person, die selbst weiß, wie zerbrochen sie ist, sich aber dagegen nicht wehren kann. Vielschichtig und tiefgründig wird ihre Geschichte erzählt und nach und nach werden auch die Hintergründe ihrer Zwangsstörung deutlich.

- Jay -

Jay ist der Bad Boy der Geschichte. Zu Beginn war er mir eine Spur zu klischeehaft. Er verkauft Drogen, wird deswegen festgenommen und zu Sozialstunden verdonnert. Von der Psychiatrischen Anstalt hält er allerdings nicht viel und findet alle Patienten echt verrückt. 

Jay ist der typische Frauenaufreißer, der am liebsten jede Nacht eine andere hat. Er liebt eigentlich nur sich selbst und findet Lea auch echt durchgeknallt ... Zu Beginn findet er Lea auch echt nervig und abstoßend, er möchte sie am liebsten so schnell es geht wieder loswerden ...

Es war natürlich von der Autorin beabsichtigt, mit Jay einen eher schwierigen und unsympathischen Charakter zu haben. Bad Boys sind in Geschichten eh meist nicht meins, aber in "Wenn du dich traust" fand ich seine Entwicklungen toll. Außerdem bekommt auch er eine eigene Hintergrundgeschichte, die es mir erleichtert hat ihn zu verstehen. Es ist eben doch immer verkehrt, nur nach dem äußeren Auftreten zu urteilen!




"Kirschroter Sommer" und "Türkisgrüner Winter" von Carina Bartsch waren bislang die einzige "Bad Boy trifft schüchternes Mädchen"-Geschichte, die mich begeistern konnte. Jetzt gesellt sich aber ein weiteres Buch dazu: "Wenn du dich traust" von Kira Gembri konnte mich als Liebesroman-Muffel tatsächlich begeistern!

Die Geschichte ist locker, lädt zum Abtauchen ein und ist sehr humorvoll erzählt. Mit Lea haben wir eine sehr vielschichtige Person, die durch ihre Zwangsstörung kein normales Leben führen kann. Sie betritt ein Leben, das ihr völlig fremd ist, das sie aber anscheinend wieder auf den richtigen Weg bringt.

Witzigerweise dachte ich zu Beginn echt, dass aus Lea und Jay niemals etwas werden könnte. Jay ist selbst sehr voreingenommen und möchte mit dieser "Verrückten" am liebsten nichts zu tun haben. Teilweise habe ich ihn am Anfang echt gehasst, weil er viel zu vorschnell und viel zu oberflächlich geurteilt hat. Dann war mir allerdings klar, dass auch ich ihn sehr schnell beurteilt habe. Man muss Menschen einfach Chancen geben und sie näher kennenlernen, um sich wirklich ein Urteil bilden zu können!

Der letztendliche Umbruch ging dann zwar etwas schnell und ich hätte mir hier noch mehr Seiten gewünscht, aber letztendlich ist manchmal so im Leben. Die Liebe ist eben unberechenbar! 

Es gibt in "Wenn du dich traust" viele süße Szenen, viele witzige Momente, aber auch einige sehr erschreckende. Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen und hätte am liebsten noch viel mehr Seiten über Jay und Lea gelesen. Ich werde auf jeden Fall nach weiteren Büchern der Autorin Ausschau halten!



Eine zuckersüße Geschichte über ein Mädchen mit Zwangsstörungen und Bad Boy, der eigentlich nur an sich selbst denkt und psychische Erkrankungen gar nicht so ernst nimmt. Witzig und doch ernst wird hier eine Liebesstory erzählt, die ganz ohne Kitsch funktioniert! Klasse!

Weitere Meinungen zum Buch:
Lauras Lesezeiten (4,5 von 5)

Donnerstag, 20. April 2017

[Rezension] Manche Tage muss man einfach zuckern - Tamara Mataya

Titel: Manche Tage muss man einfach zuckern
Autor:  Tamara Mataya
Genre: Roman
Bereits gelesene Bücher der Autorin: keins
Cover und Inhaltsangabe © Heyne

Ich bedanke mich herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!




"Dauersingle Sarah hat die fixe Idee, dass die große Liebe auf der Internetseite »Missed Connections« auf sie wartet. Die Plattform richtet sich an all diejenigen, die ihren Traumpartner schon auf den Straßen von New York gesehen haben, aber nicht mutig genug waren, ihn anzusprechen. Doch Sarahs Mr. Right hat sie wohl noch nicht entdeckt, und so fängt sie eine Affäre mit Jack an, dem attraktiven Bruder ihres Mitbewohners. Er schafft es, ein wenig unverbindlichen Spaß in ihr Leben zu bringen. Doch dann taucht ein anonymer Verehrer auf »Missed Connections« auf …"




Ich hatte tatsächlich mal wieder Lust auf einen Liebesroman - wer hätte es gedacht? "Manche Tage muss man einfach zuckern" klang dabei wie ein echt süßer und witziger Roman, bei dem mir besonders die Idee mit der Internetseite "Missed Connections" gefallen hat!

Der Schreibstil der Autorin ist auf jeden Fall sehr leicht und ich kam gut in der Geschichte rein. Zwar konnte ich manche Auffassungen und manche Botschaften in diesem Buch nicht unbedingt teilen, aber dennoch bot die Geschichte rund um Sarah, ihren neuen Arbeitsplatz und ihrer Suche nach Mr. Right einige unterhaltsame Stunden!




- Sarah -

Sarah verliert ihren Job bei der Anwaltsfirma, bei der sie lange gearbeitet hat und zieht gezwungenermaßen bei ihrem besten schwulen Freund ein. Pete bietet ihr immer eine Schulter zum ausheulen und hat auch noch einen sehr ansehnlichen Bruder, den Sarah einfach unwiderstehlich findet. Doch mit Jack will sie unter keinen Umständen etwas anfangen, denn er ist als echter Frauenheld bekannt. Wie lange kann sie der Versuchung widerstehen?

Erst einmal muss sich Sarah aber um einen neuen Job kümmern und landet direkt in einem Hippie-Wellnesstempel. Sie passt null in diesen Job, versucht aber alles richtig zu machen und sich irgendwie anzupassen.

Sarah als Charakter zu beurteilen, fällt mir recht schwer. Sie kommt an einigen Stellen doch recht oberflächlich daher, verurteilt schnell, verlangt aber, genau wie ihre "Hippie"-Kollegen, Respekt. Ich weiß nicht recht, ob sie das unbedingt sympathisch macht. Witzig fand ich sie, aber sie ist kein Charakter, mit dem ich mich identifizieren könnte oder mit dem ich im echten Leben zutun haben möchte.

- Jack -

Jack wird zu Beginn des Buches als typischer Frauenheld dargestellt, was aber auch nur eine recht oberflächliche Sicht ist. In ihm steckt mehr, doch Sarah will das irgendwie nicht so recht glauben. Für sie ist er nur der heiße Bruder ihres besten Freundes!

Jack mochte ich als Charakter sehr gerne, fand allerdings, dass er nicht direkt zu Sarah passt. Ob die beiden zusammenkommen oder ob es nur bei der Affäre bleibt, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten!




Okay - bei Liebesromanen muss man seit "Fifty Shades of Grey" wohl immer mit einer gehörigen Prise Erotik rechnen, auch wenn ich bei dem Titel "Manche Tage muss man zuckern" eher eine kitschig romantische und zuckersüße Geschichte erwartet habe. Ganz ehrlich: Erotik ist n Bücher nie so meins und hier kam mir besonders Sarahs Verhalten recht primitiv vor. Sie findet Jack einfach nur körperlich anziehend und will nur Sex mit ihm haben, weil sie denkt, dass er eh kein Typ für eine feste Beziehung ist. Indirekt möchte sie damit auch sich selbst schützen, um nicht verletzt zu werden.

Interessant fand ich hier die Idee von "Missed Connections". Sarah selbst ist besessen von der Internetseite und hofft, dass irgendjemand sie dort einmal sucht und sie so Mr. Right findet. In ihrer Obsession schaut sir dort jeden Tag vorbei, doch findet sie wirklich eine Anzeige, die genau auf sie abzielt?

Viel Platz nimmt auch Sarahs neuer Job ein, bei dem sie jede Menge Stress hat und förmlich gemobbt wird - von Hippies, die unsere Welt einfach schrecklich finden ... Ein bisschen oberflächlich geht die Autorin hier schon an die ganze Sache heran, teilweise waren die Momente in dem Hippie-Wellnesstempel zwar witzig und ich konnte auch viel lachen, aber gleichzeitig wurde hier zu vorschnell geurteilt. Manchmal befindet sich die Wahrheit eben doch in der Mitte ...


Neben dem katastrophalen Job geht es natürlich auch um Liebe, auch wenn ich sagen muss, dass sich bei mir keine echten Emotionen eingestellt haben. Mir war es teilweise zu körperlich, zwar gibt es einige sehr süße Stellen, die mich auch Schmunzeln ließen, aber die echte Liebe, die Sarah hier eigentlich sucht, ist nicht spürbar. Die Geschichte selbst rund um die mysteriöse Anzeige im Internet und Jack, der Affäre, ist recht vorhersehbar und als Leser weiß man schnell, welches Ende einen erwartet. Ob dies so gewollt ist, kann ich schlecht sagen, denn ich lese nicht so oft Liebesromane, aber ich hätte mir am Schluss tatsächlich noch eine Überraschung gewünscht!




Eine witzige Geschichte zum Schmunzeln, die mein Herz aber leider nicht berühren konnte. Mir war
die Liebesgeschichte eine Spur zu oberflächlich und mit Erotik kann ich in Büchern leider gar nichts anfangen. Welche Tage denn hier auch überhaupt gezuckert werden sollen erschloss sich mir doch nicht so recht, denn es gibt wenige romantische Momente. Trotz meiner Kritik ist es aber dennoch ein unterhaltsames Buch für Zwischendurch mit einem guten Schuss Humor und einer Protagonisten, der man manchmal am liebsten die Augen öffnen würde!

Weitere Meinungen zum Buch:
Bücherfantasien

Dienstag, 18. April 2017

[Rezension] Das Spiel -Tod (Band 3) - Jeff Menapace

Titel: Das Spiel - Tod
Autor:  Jeff Menapace
Genre: Thriller, Horror
Bereits gelesene Bücher des Autoren: Das Spiel - Opfer (5+)Das Spiel - Rache (3 von 5)
Cover und Inhaltsangabe © HeyneHardcore

Ich bedanke mich herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar! ACHTUNG! Rezension enthält Spoiler zu den vorherigen Bänden!



"Die Lamberts sind eine Familie wie aus dem Bilderbuch. Liebevolle Eltern, entzückende Kinder. Doch nach der grauenvollen Begegnung mit drei Psychopathen ist für die Lamberts nichts mehr wie zuvor. Sie haben überlebt ― aber es gibt noch ein letztes Spiel, das gespielt werden muss. Für den Meister dieses Spiels ist es die Krönung seines perfiden Schaffens … für die Lamberts die pure Hölle!"




Der erste Teil der "Spiel"-Trilogie hat mich im vergangenem Jahr echt umgehauen und ich habe gedacht, hier wieder einen vielversprechenden neuen Horrorautoren entdeckt zu haben. Der erste Teil war auch echter Backwood-Horror über eine Familie, die ums nackte Überleben kämpfen muss und Teil eines perfiden Spiels wird. Das Buch hat mich so begeistert, dass ich gespannt auf die weiteren Teile gewartet habe.

Leider hat der Stil des Autoren schon im zweiten Teil eine 180 Grad Wendung hingelegt. Statt um psychologischen Horror ging es plötzlich nur noch um Action. Meiner Meinung nach hat sich der Autor keinen großen Gefallen dabei getan, Monica und Domino als Charaktere einzuführen. Leider geht es nämlich auch im dritten Teil nicht mehr wie der Klappentext verspricht um die Lamberts, sondern um den Endkampf zwischen Profikillerin und Ex-Soldat.




- Domino -

Ich kann gar nicht sagen, wie enttäuscht ich bin, dass ich hier bei den Charakteren nicht Amy Lambert oder die Kinder erwähnen kann. Diese spielen in dem Buch nämlich keine große Rolle mehr, stattdessen geht es um Domino, der sich nach den Ereignissen des zweiten Bands die Schuld für einen gewissen Tod gibt und Amy und die Kinder noch immer beschützt - obwohl Monica seiner Auffassung nach längst tot sein muss ...

Domino ist eben ein Ex-Marine, ein Bodyguard und übertrieben stark, sowohl geistlich als auch körperlich. Er ist eine Maschine und in jedem Action-Film würde er wohl als Superkämpfer dargestellt werden - mir war er schlicht und ergreifend zu übertrieben, was ich ja bereits beim zweiten Teil erwähnt hatte.

- Monica -

Auf der anderen Seite, die Seite des Bösen, haben wir Monica, die verbliebene Schwester der Fanelli-Brüder, die natürlich noch immer ihre Rache will. Sie ist eine Profikillerin und verfügt über das Know how und die nötigen Mittel, um ein letztes Spiel zu spielen ...

Puhh, ich fand die Fanelli-Brüder im ersten Teil einfach origineller. Sie waren nicht "übermnschlich" dargestellt, waren keine Profikiller und hatten andere Auffassungen zum besagten Spiel. Durch Monika fehlt leider ein gewisses psychologisches Element, was den ersten Teil so unfassbar gut gemacht hat. Zwar steigt sie wenigstens im letzten Teil auf ein paar originelle Folterideen um, aber ich konnte mit ihr einfach nicht so mitfiebern wie mit den Fanelli-Brüdern ...




Der dritte Teil von "Das Spiel" konnte mich leider wieder nicht vom Hocker reißen. Obwohl der Klappentext andeutet, dass es hier wieder um die Lamberts gehen soll, steht doch der Endkampf zwischen Domino und Monica im Vordergrund und das Buch beschreibt eigentlich nur den Weg, den Monica beschreitet, um endlich ihre Rache zu kommen.

Durch die kurzen Kapitel ist zwar ein stetiger Spannungsbogen da, aber die Geschichte ist leider nicht mehr böse und als Leser wusste ich nicht so recht, mit wem ich mitfiebern sollte. Monica stellt zwar das Schlechte da und Domino das Gute, aber dennoch waren mir beide Charaktere einfach zu übertrieben. (Ich muss dazu sagen, dass ich Horror liebe, Actionthrillern aber leider nichts abgewinnen kann ...)

Kurzweilige Unterhaltung bietet das Buch auf jeden Fall. Es lässt sich flüssig lesen, hat nur diesen gewissen bitterbösen Flair vollständig verloren. Der Autor macht es sich teilweise auch viel zu einfach. Obwohl gerade im letzten Drittel sehr viel Potenzial vorhanden ist und es einige "Saw"-mäßige "Fallen" zu bestaunen gibt, wirkte es auf mich so, als hätte er zum Ende hin die Lust verloren. Viel zu schnell und unlogisch wird die Geschichte zuende gebracht - Hauptsache, es ist eben irgendwie vorbei ...

Abschließend kann ich zu der Reihe nur sagen, dass sie unfassbar stark angefangen hat, der erste Teil war echt ein bitterböser Beginn, doch auf mich wirkte es, als hätte der Autor versucht, die Geschichte zwanghaft auf die Action-Schiene zu verfrachten. Leider hat die Reihe dadurch an Originalität verloren ...




Aus einer ehemals tollen Idee um ein bitterböses Spiel zweiter Brüder wurde ein lahmes Action-
Gemetzel ohne großes Mitfiebern. Ich kann den ersten Band als eigenständiges Buch empfehlen, die Fortsetzungen waren allerdings überhaupt nicht mehr meins ...

Sonntag, 16. April 2017

[Rezension] Mein Wille geschehe - Jennifer Benkau

Titel: Mein Wille geschehe
Autor:  Jennifer Benkau
Genre: Thriller, Psychothriller
Bereits gelesene Bücher der Autorin: keins
Cover und Inhaltsangabe © BasteiLübbe




"Derya steckt nach der Scheidung von ihrem grausamen Mann in einer Krise. Immer mehr zieht sie sich in ihre eigene Welt zurück und lässt kaum jemanden an sich heran - bis eines Tages ihre Jugendliebe Jakob wieder vor ihr steht.

Auch nach all den Jahren hat er nichts von seinem damaligen Charme eingebüßt, und zum ersten Mal seit langer Zeit ist Derya endlich wieder glücklich. Aber zeitgleich mit Jakobs Auftauchen beschleicht sie immer öfter eine unbestimmte Angst. Sie hat das Gefühl, beobachtet zu werden, und bald ist sie sich sicher, dass jemand sie verfolgt.

Ist ihr Ex-Mann hinter ihr her? Doch dann offenbart Jakob Derya ein furchtbares Geheimnis, das sie daran zweifeln lässt, ob sie ihn wirklich kennt ..."




Schon lange wollte ich ein Buch von Jennifer Benkau lesen, denn ich habe auf anderen Blog sehr viel von ihr gehört. Neben Fantasy, das selten komplett meinen Geschmack trifft, schreibt sie auch Thriller und "Mein Wille geschehe" hat mich sofort angesprochen!

Ich muss sagen, dass ich etwas gebraucht habe, um komplett in die Geschichte abtauchen zu können. Fast tastend musste ich mich erst einmal mit unserer Protagonistin Derya vertraut machen, die ich zu Beginn noch nicht so recht einschätzen konnte. Als dann aber offenbart wurde, dass Derya eine Autorin ist, aber schon lange nicht mehr geschrieben hat, war für mich dann das Eis gebrochen (Ja, Autoren müssen untereinander doch zusammenhalten!) und ich konnte mit ihr mitfiebern.

Jennifer Benkaus Schreibstil ist zu Beginn recht einfach, entwickelt sich dann aber in einer wunderbare Richtung. Besonders Deryas Melancholie hat sie toll umgesetzt und es gibt einige superschöne Abschnitte! Interessant fand ich auch die Rückblicke und eine gewisse Spannung, die im weiteren Verlauf stetig aufgebaut wird!




- Derya -

Derya ist auf sich allein gestellt, seit sie sich von ihrem Mann Robert getrennt hat. Dann denkt sie plötzlich, ihre Jugendliebe Jakob zu sehen, der sie in Jugendjahren recht verwirrt zurückgelassen hat. Nach und nach gibt es Einblicke in ihre jugendliche Beziehung und ebenso in das Leben, das Derya gerade führt. Sie hat nur eine richtige Freundin und lernt auf der Straße eine Obdachlose kennen, mit der sie anscheinend etwas verbindet.

Wie bereits gesagt, fand ich Derya zu Beginn nicht sonderlich sympatisch und bei einem Psychothriller möchte ich entweder mit dem Protagonisten mitfiebern oder ihn hassen. Zum Glück entwickelt sich das im Verlauf noch, auch wenn es von der Autorin beabsichtigt war, hier einen eher undurchschaubaren Charakter zu haben.

- Jakob -

Ich war mir unsicher, ob ich Jakob hier erwähnen sollte. Er ist auf jeden Fall Deryas Jugendliebe und jetzt, im Verlaufe der Geschichte, erwacht diese Liebe scheinbar zum neuen Leben! Aber ob das so gut für Derya ist?

Jakob hab ich weder gemocht, noch gehasst. Er war eher immer so ein Charakter, den ich im Auge behalten habe, weil ich seine Absichten nicht entschlüsseln konnte!




Die Geschichte hinter "Mein Wille Geschehe" ist recht ruhig erzählt, wie ein echter Psychothriller eben und setzt dabei auf eine sich stets steigernde Spannung. Toll fand ich, hier eine Autorin als Protagonistin zu haben - allerdings bin ich als Schreiberling wohl schon so tief in der Materie, dass mir dann leider das Ende, obwohl es eigentlich echt genial ist, schnell klar war ...

Nun aber erst einmal zurück zum Anfang. Zu Beginn fand ich das Buch ehrlich gesagt nicht sonderlich spannend. Ich habe aber durchgehalten, da ich von anderen Rezensenten bereits gehört habe, wie genial und ausgetüftelt das Ende sein soll. Irgendwann hat mich die Geschichte dann auch tatsächlich gepackt und ich wollte wissen, wie alles zusammenpasst.

Der Schreibstil selbst ist zu Beginn recht einfach, aber entwickelt sich wirklich in eine ausgesprochen tolle Richtung! Man merkt schnell, dass es sich bei der Protagonistin um eine Schriftstellerin handelt und deswegen habe ich Derya tatsächlich irgendwann gemocht.

Jakob und Robert, die Jugendliebe und der Exmann, spielen hier auch weiterhin eine zentrale Rolle. Wer steckt hinter den ganzen Dingen, die Derya plötzlich passiert? Mich hat das Buch enorm an eine meiner Lieblingsgeschichte erinnert, nämlich "Das heimliche Fenster, der heimliche Garten" von Stephen King.

Das Ende selbst, so genial ich es auch fand, hat mich bei dem Buch etwas zwiegespalten zurückgelassen. Ich muss hier ehrlich bleiben, denn solch eine "Auflösung" liest man in ähnlicher Form als Thriller-Leser recht oft. Es ist meiner Meinung nach durch die vergangenen Jahre etwas ausgelutscht und konnte daher nicht die Wirkung erzielen, die sich die Autorin wohl gewünscht hat!




Ein echter Psychothriller mit tollem Schreibstil und einer interessanten Protagonistin, allerdings kann
ich mich den zahlreichen positiven Stimmen über das Ende nicht anschließen. Genial ist es auf jeden Fall, aber es war schon hunderte Male in anderen Thrillern da. Das fand ich etwas schade, kann das Buch aber dennoch weiterempfehlen!

Weitere Meinungen zum Buch:
Lillis Buchseite (5 von 5)


Donnerstag, 13. April 2017

[Rezension] Scar - Jack Ketchum, Lucky McKee

Titel: Scar
Autor:  Jack Ketchum, Lucky McKee
Genre: Roman
Bereits gelesene Bücher des Autoren: Beutezeit, Evil
Cover und Inhaltsangabe © HeyneHardcore




"Mit elf Jahren ist Delia Cross bereits ein gefeierter Fernsehstar – aber nicht glücklich. Ihre Mutter ist von krankhaftem Ehrgeiz getrieben. Ihr Vater dem Alkohol verfallen. Ihr Bruder von Eifersucht zerfressen. Einzig der Familienhund Caity hält immer treu zu ihr. Dann droht ein tragischer Unfall, Delias Karriere für immer zunichtezumachen. Doch sogar ihre Narben werden gegen ihren Willen vermarktet. Bis sie beginnt, sich zu wehren …"




Von Jack Ketchum habe ich schon eine ganze Weile nichts mehr gehört. Mit "Evil" hat er mich vor vielen Jahren begeistern können, "Beutezeit" war aufrund der vielen Klischees dann aber eher ein Flop für mich!

Sein neues Buch, das er mit dem Autoren, Schauspieler und Regisseuren Lucky McKee hat mich vom ersten Moment brennend interessiert. Ich bin mit den Erwartungen, einen spannenden Horrorroman zu lesen, doch im Grunde ist "Scar" ein recht jugendliches Buch, das sehr emotional und tiefgründig ist und nicht mit "Evil" oder "Beutezeit" gemein hat.

Ich muss sagen, dass ich am Anfang etwas verwundert war aufrund eines Rechtschreibfehlers hinten auf dem Klappentext. In letzter Zeit hatte ich gerade bei größeren Verlagen oft das Problem mit nur oberflächlichen Lektoraten und dadurch auch Probleme beim Schreibstil. Zum Glück ließ sich "Scar" aber sehr flüssig lesen und ich war nach wenigen Seiten schon komplett in der Geschichte gefangen.

Das Buch wird aus den Sichten aller Familienmitglieder verfasst, so bekommen wir einen tiefen Einblick in die zerrüttete Beziehung zwischen Vater, Muter, den beiden Kindern und dem Hund Caity. "Scar" ist eine sehr tiefgründige Geschichte, an vielen Stellen ist sie sehr emotional und ladet zum Nachdenken über unsere heutige Gesellschaft ein!




- Delia -

Delia ist mit ihren 11 Jahren bereits ein gefeierter Kinderstar und wird von Job zu Job geschleift. Sie ist die große Einnahmequelle der Familie und lässt eigentlich alles mit sich machen. Ihre geliebte Hündin Caity steht ihr bei und scheint ihr einziger Freund auf dieser Welt zu sein.

Während zu Beginn der Geschichte noch alles recht unterschwellig abläuft, ändert sich alles, nach einem schrecklichen Unfall. Delia ist entstellt, doch ihre Eltern wollen weiterhin mit ihr Geld verdienen ...

Delia muss man als Leser einfach ins Herz schließen. Sie steht zwar im Fokus der Familie, aber nur, weil sie ein Goldesel ist. Sie wird beachtet, solange sie schön ist, gehorcht und einfach funktioniert. Das Leben von Delia ist kein schönes Leben. Sie hat keine Freunde, darf nicht zur Schule gehen und wird von ihrer Familie nur benutzt. Ich fand es richtig schlimm, den ganzen Druck zu spüren, der auf ihr lastet!

- Pat und Bart -

Hier haben wir Delias Eltern. Pat ist selbst sehr hübsch, aber sie hat selbst nie den Durchbruch geschafft. Also muss jetzt ihre Tochter ran. Pat symbolisiert jene strebsamen Eltern, die in ihren Kindern eine Art zweite Chance sehen, endlich Erfolg zu haben. Ich fand Pat einfach nur abartig und schrecklich, zumal sie noch einige Geheimnisse hat ...

Bart ist ähnlich egoistisch, ihm geht es aber in erster Linie ums Geld. Er kauft sich vom Geld seiner Tochter ein fettes Auto und mehrere Fernseher. Ja, er schmeißt das Geld förmlich zum Fenster raus und interessiert sich nur für den Luxus, den er sich nun leisten kann! Er war für mich ebenso abartig wie seine Frau ...

- Caity -

Caity ist der Hund der Familie und war mein absoluter Lieblingscharakter in diesem Buch. Sie und Delia verbindet eine ganz besondere Art der Freundschaft und Verbundenheit, die einfach nur mein Herz erwärmt hat.

Caity tut alles für Delia und das ist das ganze Buch über spürbar. Die Verbindung der beiden bricht auch nicht ab, als so einige schlimme Dinge passieren ...




Ich muss ehrlich sagen, dass ich mit der Erwartung an das Buch gegangen bin, mal wieder einen blutigen und verstörenden Horrorroman von Jack Ketchum zu lesen, doch "Scar" ist komplett anders. Fast schon kindlich erzählt es erst einmal die Geschichte eines Mädchens, das in ihrer Familie nur als Geldquelle benutzt wird.

Durch die verschiedenen Sichtweisen bekommen wir Einblick in die gesamte Familie, einschließlich des Hundes Caity. Es wird deutlich, wie zerbrochen die Familie längst ist und von welchem Egoismus jeder einzelne geleitet wird. Beim Lesen hatte ich einen regelrechten Hass auf die Eltern, die ihr Kind so dermaßen ausnutzen und echt nur an Ruhm und Geld interessiert sind.

Interessant finde ich, dass das erste Drittel des Buches damit Spannung aufbaut, dass Delia anscheinend Angst vor Geistern in ihrem Puppenhaus hat. Caity spürt ebenfalls etwas und versucht Delia zu beschützen, doch dann kommt alles anders als gedacht und es gibt echt eine bitterböse Wendung!

Mitgefühl ist von der Familie kaum zu spüren, stattdessen sehen sie weiterhin nur ihr eigenes Leben im Vordergrund. Delia selbst entwickelt sich im Laufe der Geschichte in eine tolle Richtung - wird aber weiterhin vermarktet. Die beiden Autoren zeigen hier wieder einmal, in was für einer grauenhaften Welt wir leben. Geld und Erfolg scheint das wichtigste zu sein, dabei wird oftmals die Menschlichkeit vergessen.

Horror findet man in "Scar" überhaupt nicht. Stattdessen ist die Geschichte voller psychologischer Spannung, voller Schockmomente und voll mit Emotionen. Teilweise musste ich echt weinen, da mir die Geschichte von Delia und Caity ungemein nahe ging! Das Ende selbst ist so zwar abzusehen, aber dennoch absolut spannend und es gibt wenigstens einen Hauch Vergeltung ...




"Scar" ist fast schon ein Jugendroman über eine zerrüttete Familie und die wundervolle Verbindung von einem Mädchen und ihrem Hund! Auch wenn ich Horror erwartet hatte, muss ich doch sagen, dass ich angenehm überrascht über diese tiefgründige und teils sehr traurige Geschichte war, die mich bestimmt noch einige Tage oder Wochen begleiten wird! Eine klare Empfehlung!


Mittwoch, 12. April 2017

[Rezension] Herr der Fliegen - William Golding

Titel: Herr der Fliegen
Autor:  William Golding
Genre: Roman
Bereits gelesene Bücher des Autoren: keins
Cover und Inhaltsangabe © Fischer



"Eine Gruppe englischer Schuljungen gerät infolge eines Flugzeugunfalls auf eine unbewohnte Insel im Pazifischen Ozean. Kein Erwachsener überlebt. Zunächst erscheint der Verlust zivilisatorischer Ordnungsprinzipien leicht zu bewältigen: auf der Insel gibt es Wasser, Früchte, sogar wilde Schweine, die erlegt werden können. Ralph läßt Hütten bauen, erkundet die Insel, richtet einen Wachdienst für das Signalfeuer ein. Der gute Anfang aber führt in eine Krise, die bald diabolische Formen annimmt. Aus der Jagd wird blutiges Schlachten - die Jäger und die Hüter des Feuers geraten in einen Kampf auf Leben und Tod. Die Gemeinschaft zerfällt, Terror und barbarische Primitivität gipfeln im Machtrausch, der auch Mord nicht ausschließt. Das Beängstigende an diesem Gleichnis menschlicher Gesellschaft ist die Tatsache, daß diese Jungen keineswegs Monstren oder Verbrecher sind. Jeder von ihnen ist in irgendeiner Jungenklasse der Welt zu finden."




"Herr der Fliegen" von William Golding war ein Buch, auf das wir bei der gemeinsamen Leserunde zu "Ich bin böse" von Ali Land gestoßen sind und das uns alle brennend interessiert hat! Also gab es spontan bei der lieben Nicole von Zeit für neue Genres eine weitere Leserunde zu diesem Klassiker.

Ich muss sagen, dass ich zu Beginn ein wenig angst hatte. Im Internet tummeln sich die Meinungen vieler frustrierter Schüler, die das Buch absolut langweilig und schwierig fanden, doch zum Glück war dies dann doch nicht der Fall. Der Einstieg in die Geschichte rund um die Schuljungen, die auf einer unbewohnten Insel landen, ist mir gut gelungen. Die ersten beiden Kapitel flogen förmlich dahin.

Danach zeigte sich allerdings der "kompliziertere" Schreibstil William Goldings. Teilweise wirr und ohne Kennzeichen in den Dialogen bekommen wir als Leser das Miteinander der Jugendlichen und Kinder mit, erfahren, wie sie versuchen zu überleben und gleichzeitig, wie sie aneinandergeraten. Dabei wird aber wenig wert auf die Ausarbeitung der einzelnen Charaktere gelegt, die Beschreibung des Insellebens steht hier eindeutig im Vordergrund.




- Ralph -

Zu Beginn lernen wir Ralph kennen, der auf einen dicken Jungen trifft und erst einmal realisieren muss, was geschehen ist. Sie finden ein Muschelhorn und blasen hinein und schnell kommen die restlichen Überlebenden des Flugzeugabsturzes zusammen und sie begreifen, dass keine Erwachsenen auf der Insel sind.

Ralph wird ziemlich schnell zum Anführer gewählt, demokratisch natürlich, doch er merkt schnell, dass es schwer ist, alles zu koordinieren. Zum Teil ist das Erlebnis auf der Insel für die Jungs ein großes Abenteuer, doch natürlich möchten sie auch gerettet werden.

- Piggy -

Piggy ist der besagte dicke Junge, der aber auf keinen Fall Piggy genannt werden wollte. Doch das interessiert niemanden, denn Piggy ist der typische Aussenseiter, ist aber sehr intelligent und behält oft den Durchblick, als die anderen Jungs nicht mehr weiter wissen.

Leider wird er in der Gruppe nicht direkt akzeptiert, sogar Ralph, dem er eigentlich vertraut, macht sich teilweise lustig über ihn. Er symbolisiert hier eine schwache Person, einen Menschen, der zwar versucht, gehört zu werden, aber keinen richtigen Anschluss findet.

Piggy war der Charakter, den ich in diesem Buch am meisten mochte. Er verliert sich nicht wie die anderen, ist kein Mitläufer und folgt seinen eigenen Auffassungen.

- Jack -

Jack ist das Gegenteil von Ralph. Er ist ein Abenteurer und wird mit seinen Chorjungen schnell zum Jäger. Während er anfangs noch Skrupel hat, ein Schwein zu töten, verliert er nach und nach die Hemmschwelle, denn hier geht es ja schließlich ums Überleben? Dabei passt er sich so sehr der neuen Umgebung an, dass es oft schein, als wollte er nicht gerettet werden.

Während Ralph von allen zum Anführer gewählt wurde, muss Jack um seine Macht erst einmal kämpfen. Er nutzt die Ängste der anderen und für mich symbolisierte er hier einen Diktator.




"Herr der Fliegen" von William Golding beginnt direkt nach dem Flugzeugabsturz und wir finden uns zusammen mit einem Haufen englischer Schuljungen auf einer einsamen Insel wieder. Schnell finden sich die Kinder und Jugendlichen zusammen und überlegen, wie sie überleben können. Auf der Insel befinden sich ausreichend Früchte und es gibt Schweine. Sie bauen sich Hütten, versuchen aber gleichzeitig, stets mit einem Feuer auf sich aufmerksam zu machen.

Schnell bilden sich zwei Lager. Zum einen ist da Ralph, der Piggy an seiner Seite hat und deswegen immer wieder zur Vernunft kommt und Jack nicht blind folgt, doch dann ist da Jack mit seiner Jägergruppe, die immer mehr zu Wilden werden.

Auf der Insel sind auch kleine Kinder, die urplötzlich von einem Monster reden. Einer Art Schlange, ein Ungetüm, das durch den Dschungel streift. Ist es die Angst der Jungen oder sind sie auf der Insel wirklich nicht allein?

William Goldings Roman "Herr der Fliegen" ist ein Buch, das von der Botschaft her echt unter die Haut geht, es ist eine Geschichte, die man begreifen muss und sie sich auch wieder aktuell auf unser Leben übertragen lässt. Auf der Insel entwickelt sich schnell eine Gruppendynamik, es gibt die Starken und die Schwachen, die Mitläufer und die Rebellen. Vor Augen halten muss man sich hier, dass dies alles Kinder sind.

Besonders das Ende des Buches hat mir so einige Gänsehaut-Momente verursacht. Besonders eine Szene fand ich besonders schlimm, die wohl alle Leser aufwühlen wird. Das Buch beschreibt die Ungerechtigkeit des Lebens, die Sinnlosigkeit des Krieges und den Wahn, den die Menschheit in den letzten Jahrhunderten öfters verfallen sind ...




Ein toller Klassiker, der zum Nachdenken anregt und uns wieder einmal zeigt, in welch einer Gesellschaft wir leben. Damals wie heute hat sich wenig verändert und deswegen ist "Herr der
Fliegen" noch immer aktuell. Der leicht wirre Schreibstil sollte nicht abschrecken, denn hier verbirgt sich wahrlich ein kluges Buch mit Gänsehaut-Momenten!

Weitere Meinungen zum Buch:
Zeit für neue Genres (3 von 5)